Unverzichtbare Bereicherung

Unverzichtbare Bereicherung

Der Verein Wirtschaft für Integration (VWFI) feiert sein 10-jähriges Bestehen. Festredner Georg Kapsch findet klare Worte zur Migrationsdebatte.

Von Alexander Blach

Man könnte glauben, dass sich die Gesellschaft in den letzten zehn Jahren weiterentwickelt hat. Aber das hat sie nicht“, sagt Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), anlässlich der 10-Jahres-Feier des Vereins Wirtschaft für Integration, und stellt fest: „Wir sind in manchen Bereichen echt retro geworden.“ Und das, obwohl Österreich seit jeher eine interkulturelle Prägung erfährt. „Wir sind ein Zuwanderungsland – Diversität ist Realität und das ist gut. Uns sollte bewusst sein, dass wir unseren Wohlstand in diesem Ausmaß ohne die Migration der letzten Jahrzehnte nie hätten.“ Dass die Stimmung im Land diese Tatsache aber nicht widerspiegelt, liegt für Kapsch vor allem an einer „über Jahrzehnte nicht wirklich guten Integrations- sowie einer schwachen und inadäquaten Migrationspolitik“. Die neuen Populisten hätten das Ganze noch verschlimmert.

Diese Mischung fördert das Entstehen unbegründeter Ängste und eine völlig undifferenzierte, einseitige Diskussion. Anstatt die Potenziale einer interkulturellen Gesellschaft zu erkennen, laufe man vor ihr davon. Das führe zu einer gefährlichen, doppelten Spaltung der Gesellschaft: „Nicht nur zwischen dem ‚Wir’ und den anderen, sondern auch eine Spaltung des Wirs – zwischen Fremdenfeindlichkeit, Provinzialismus und Weltoffenheit“, erläutert der IV-Präsident. Um die Ängste in der Gesellschaft abbauen zu können, seien vor allem die Medien gefragt. Sie müssten Tatsachen und Fakten gegenüber Stories und Meinungen den Vorrang geben. Weiters fordert Kapsch einen offenen Diskurs: „Es kann nicht sein, dass alles was irgendjemand sagt, als absurd hingestellt wird, anstatt darüber zu diskutieren.“ Zudem brauche es ein neues, zukunftsorientiertes Zuwanderungsgesetz, ein Bildungssystem, das Integration fördert, und eine bessere Integration am Arbeitsplatz. „Denn Zuwanderung ist, wenn sie geplant und gut gemanagt wird, eine Bereicherung für Gesellschaft und Wirtschaft. Unabhängig von ethnischem Hintergrund oder sozialer Herkunft verdient jeder Mensch in diesem Land den gleichen Respekt. Das sollten wir uns hinter die Ohren schrei­ben“, fasst Georg Kapsch zusammen.

10 Jahre VWFI

(c) VWFI

Potenziale erkennen

Initiativen wie der VWFI seien heute nahezu notwendiger als bei ihrer Gründung, pflichtet auch der ehemalige Wiener Bürgermeister und Schirmherr des Vereins, Michael ­Häupl, bei: „Man muss erkennen, wie hoch das intellektuelle Potenzial derjenigen ist, die kommen, um mit uns zu leben und nicht gegen uns. Wird das nicht erkannt, verkürzen wir uns unsere Zukunft.“ Christian Konrad, ehemaliger ÖRV-Generalanwalt und ebenfalls Schirmherr des Vereins, verdeutlicht: „Stellt man die Geburten den Sterbefällen gegenüber, erkennt man: Alleine kommen wir nicht weiter, wir brauchen Zuwanderung. Sie ist in der Gesellschaft eine nicht zu verzichtende Bereicherung.“

Ein Credo, dem sich der Verein Wirtschaft für Integration seit seiner Gründung am 19. März 2009 verschrieben hat. Über 200 Veranstaltungen mit über 45.000 Teilnehmern hat der Verein seit damals organisiert. Neben dem Österreichischen Integrationspreis oder verschiedenen Mentoringprogrammen wird seit Beginn jedes Jahr der mehrsprachige Redewettbewerb „Sag’s Multi!“ umgesetzt. „Diese Idee wächst noch immer weiter und ist einzigartig“, unterstreicht VWFI-Geschäftsführer Peter Wesely. 580 Teilnehmer aus ganz Österreich und 51 Sprachen zählt der zehnte Durchgang des Wettbewerbs. Am 2. Mai wird das Finale traditionell im Wiener Rathaus über die Bühne gehen.

„Eine diverse und internationale Welt braucht das Land, denn Innovation kann man nur aus Diversität gewinnen. Dafür werden wir uns weiterhin einsetzen“, versichern die Obleute des Vereins, Georg Kraft-Kinz, Ali Rahimi und Martin Himmelbauer, und bedanken sich bei den zahlreichen Unterstützern und Sponsoren wie Raiffeisen, Uniqa oder die Österreichischen Lotterien.

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