Viel Gestaltungsraum

Viel Gestaltungsraum

Raiffeisen in der Steiermark setzt neue Impulse zur Stärkung des ländlichen Raums. Die „Allianz fürs Land“ wurde beim diesjährigen Verbandstag vor 400 Gästen thematisiert.

Von Elisabeth Hell

Die Steiermark wäre ohne Raiffeisen unvorstellbar“, bringt es Landesrat Johann Seitinger in seinen Grußworten auf den Punkt. 600.000 – also jeder zweite Steirer ist Mitglied einer Raiffeisen-Genossenschaft – Tendenz steigend. Der Raiffeisenverband Steiermark vertritt die Interessen von aktuell 308 Genossenschaften mit rund 5.800 Arbeitnehmern und 3.100 ehrenamtlichen Funktionären. Die moderne Nahversorgung im ländlichen Raum ist für Seitinger die Basis, um die „Landflucht“ aufzuhalten, dabei sei klar: „Ein Diktat der Politik, dass der ländliche Raum bestehen bleiben muss, bringt nichts. Der ländliche Raum muss sich von unten herauf entwickeln.“

Wirtschaftsexperte Gottfried Haber von der Donau-Universität Krems betont in seinem Gastreferat: „Der ländliche Raum ist kein Problemkind, sondern wir können vom ländlichen Raum sehr viel lernen, vor allem was nachhaltige Modelle des Wirtschaftens betrifft.“ Die starken genossenschaftlichen Modelle im ländlichen Raum zeigen auch Haber, dass „letztendlich die Menschen in der Region Dinge voranbringen“ und nicht die Politik. Eigeninitiative und Eigenverantwortung wirken im ländlichen Raum stärker als in Ballungszentren, erklärt Haber und er ist sich sicher: „Die Anwendungsfelder für Genossenschaften werden mehr.“

Franz Titschenbacher und Heinrich Herunter freuen sich über zwei Neuzugänge im Verbandsvorstand: Doris Grantner-Planitzer (Obmann-Stellvertreterin der RB Aichfeld) und Karina Neuhold (Obfrau der Weizer Schafbauern). (c) RV Steiermark

Das wachsende Potenzial erkennt auch der Raiffeisenverband Steiermark und hat im Vorjahr eine Initiative zur Standort-, Regional- und Kommunalentwicklung gestartet. Gemeinsam mit der Raiffeisen-Landesbank Steiermark wurde schließlich heuer im Sommer die ISK Süd GmbH gegründet. „Mit unseren neu geschaffenen Möglichkeiten unterstützen wir die Gemeinden und Regionen in der Umsetzung ihres individuellen Masterplans und damit auch die steirischen Unternehmen unter dem Giebelkreuz“, erklärt Verbandsdirektor Heinrich Herunter. Die Zielsetzung verdeutlicht auch Verbandsobmann Franz Titschenbacher: „Wir möchten weiterhin mit aller Kraft in unserem Land mitgestalten und Akzente für die Zukunft setzen.“ Titschenbacher ist überzeugt, dass die Raiffeisen-Idee zeitlos gültig ist und Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit gibt.

„Die Allianz kommt auch in den Zahlen in beeindruckender Weise zum Ausdruck“, freut sich der Verbandsobmann. Die steirischen Raiffeisenbanken verzeichneten im Vorjahr Steigerungen bei den Erst-einlagen auf 12,1 Mrd. Euro und bei den Ausleihungen auf 9,7 Mrd. Euro. Mit einer Gesamtbilanzsumme von 15,1 Mrd. Euro sind die mittlerweile 60 selbstständigen Raiffeisenbanken mit 253 Bankstellen weiterhin führend in Geldangelegenheiten. Das Betriebsergebnis betrug im Vorjahr 0,72 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme und das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) lag bei 0,89 Prozent.

Im Lagerhausbereich ist der Umsatz im Vorjahr um zwei Prozent auf 684 Mio. Euro zurückgegangen. Insbesondere in den Geschäftsbereichen Agrar, Technik und Energie mussten Einbußen hingenommen werden. Positiv entwickelte sich im Gegenzug der Bereich Haus und Garten mit einem Plus von mehr als fünf Prozent. Trotz eines geringeren Umsatzes lag das durchschnittliche EGT bei 0,8 Prozent der Betriebsleistung oder 5,4 Mio. Euro. Mit rund 110 Verkaufsstellen und 30 Werkstätten sind auch die Lagerhäuser ein wichtiger Nahversorger im ländlichen Raum.

Für die Molkereisparte war 2016 wie für die gesamte heimische Milchwirtschaft ein sehr schwieriges Jahr. Erst zu Jahresende hat sich der Erzeugermilchpreis leicht erholt. Die steirischen Molkereien setzen verstärkt auf innovative Produkte und einen weiteren Ausbau der Qualitätsstrategie. Die Betriebsleistung der steirischen Molkereien ist auch aufgrund einer um 13,3 Prozent auf 511 Mio. Tonnen gestiegenen Milchanlieferung um 3,7 Prozent auf 183 Mio. Euro angewachsen. Das dennoch knapp negative operative EGT der Molkereien beweise, dass die von den milchverarbeitenden Betrieben erzielten Erlöse an die Milchbauern weitergegeben wurden.

Einen Gesamtumsatz von rund 16 Mio. Euro erwirtschafteten die 79 Biowärme- und Hackschnitzelbetriebe. Die durchschnittliche Eigenkapitalsituation konnte mit den erzielten Jahresüberschüssen weiter gestärkt werden. Auch die „sonstigen Genossenschaften“ haben sich 2016 bis auf einige wenige Ausnahmen konstant positiv entwickelt, berichtet Titschenbacher und ergänzt: „Trotz einiger Herausforderungen ist es eine Bilanz, die diese gemeinsame Verantwortung zum Ausdruck bringt. All das ist gelebte regionale Verantwortung und gelebte Allianz fürs Land.“

(RZ40, 05.10.2017)