Von Erbschafts-Liegenschaften und Scheidungswaisen

Von Erbschafts-Liegenschaften und Scheidungswaisen

Raiffeisen Immobilien präsentiert eine Studie über die Motivlage, die Wünsche, Sorgen und teils lösbare Probleme von Verkäufern und Vermietern.

Von Hermann B. Hackl

Als Raiffeisen Immobilien Österreich sehen wir uns als Markt- und Kompetenzführer. Gerade deshalb haben wir im ersten Halbjahr 2019 unsere Dienstleistung auf den Prüfstand gestellt. Wir registrieren, dass die Märkte im Umbruch sind und haben uns deshalb intensiv mit den heimischen Immobilienverkäufern auseinandergesetzt“, weist Nikolaus Lallitsch, Geschäftsführer Raiffeisen Immobilien Steiermark, auf die repräsentative Online-Befragung von tausend Österreichern und die weitere Detailbefragung der darin enthaltenen 403 Immobilien-Abgeber hin.

Die Mehrzahl, also 55 Prozent der Verkaufs- bzw. Vermietungstransaktionen, erfolgte demnach von privat an privat, bereits knapp die Hälfte der Abgeber beauftragten einen Makler – Tendenz in den letzten Jahren steigend. „Dieser Marktanteil hat noch Potenzial nach oben – umso mehr die Zeiten, in denen Verkauf und Vermietung in manchen Regionen quasi zum Selbstläufer wurden, zu Ende gehen“, resümiert Peter Weinberger, Geschäftsführer Raiffeisen Immobilien NÖ/Wien/Burgenland. Gerade bei den reinen Verkäufern seien die Makler-Profis besonders gefragt: „Wenn es um viel Geld geht, fühlen sich die heimischen Abgeber erfreulicherweise doch sicherer mit Makler-Unterstützung.“

Hauptanlass für Verkauf oder Vermietung von Liegenschaften sind mit 29 Prozent der Befragten eindeutig ungenutzte Erbschafts-Immobilien. Für 15 Prozent war Geldbedarf der Anlass, gefolgt von Hochzeit oder Nachwuchs (13 Prozent). Und in 9 Prozent der Fälle wurde die Immobilie quasi zur „Scheidungswaise“ und musste veräußert werden. „Ein wesentliches Verkaufsmotiv ist aber auch der Wunsch nach der Erfüllung des persönlichen Wohntraums. Wir leben in einer  Gesellschaft, wo beim Wohnen immer weniger Kompromisse eingegangen werden“, erklärt Nikolaus Lallitsch. Negative Erwartungen hinsichtlich der Markt- und Preisentwicklung blieben hingegen bei der Untersuchung unter der Wahrnehmungsschwelle: „Immobilien werden nach wie vor als sehr sichere und verlässliche Veranlagungsform betrachtet.“

Raiffeisen Immobilien: Peter Weinberger und Nikolaus Lallitsch

Raiffeisen Immobilien: Peter Weinberger und Nikolaus Lallitsch (c) APA OTS/Hörmandinger

Ein Verkaufs- oder Vermietungsprozess dauerte gemäß der Studie mehrheitlich bis zu drei Monate. Zuvor hatte man bereits etwa sechs Monate überlegt, sich von der Immobilie zu trennen. Am meisten Besorgnis erregte bei den Befragten die hohe steuerliche Belastung – knapp ein Drittel sieht dies zumindest als großes Problem an. Auch der Zeitaufwand für Besichtigungstermine und das Finden des richtigen Verkaufs- oder Mietpreises bereiteten jeweils einem Viertel Sorgen.

Der ideale Immobilien-Makler

Von ihrem Immobilienmakler erwarten sich daher Verkäufer und Vermieter in erster Linie eine korrekte Vorgehensweise (84 Prozent der Nennungen) sowie hohe Fachkenntnis (74 Prozent). Ebenfalls wichtig: Engagement für die Anliegen der Kunden und Hilfe bei der Preisfindung. „Raiffeisen Immobilien setzt seit jeher auf bestens ausgebildete Mitarbeiter. Zu diesem Zweck haben wir unsere eigene, österreichweite Immobilien Akademie ins Leben gerufen, um weiterhin höchste Service- und Know-how-Standards garantieren zu können“, so Lallitsch.

Interessant sind weiters die Motive, warum bei Verkauf oder Vermietung einer Liegenschaft auf die Unterstützung von Experten verzichtet wird: 46 Prozent gaben an keinen Makler gebraucht zu haben, weil sie dies auch selbst bewerkstelligen konnten. „Hier klaffen Selbsteinschätzung und Realität auseinander: Einerseits verfolgt man einen „Do-it-yourself-Ansatz“, andererseits beklagt man den hohen Zeitaufwand für Besichtigungstermine und Probleme bei der korrekten Einschätzung des Verkaufspreises“, analysieren die beiden Immobilienexperten.  Die Kosten für das Erfolgshonorar des Maklers wurden von knapp einem Viertel als Hindernisgrund für dessen Beauftragung genannt, und in 19 Prozent der Fälle hatte man bereits einen Mieter oder Käufer aus dem eigenen Umfeld zur Hand.

Im Zusammenhang mit der Kostenfrage sieht Peter Weinberger die Makler-Branche in der Bringschuld: „Wir Makler müssen daran arbeiten, unsere Leistungen für Abgeber transparenter zu machen. Denn das Service eines guten Maklers erschöpft sich nicht in Online-Inseraten und dem Aufsperren von Türen, sondern umfasst besonders auch die richtige Marktwerteinschätzung, die Aufbereitung der Immobilie für den Verkauf, die Entwicklung und Umsetzung einer geeigneten Vermarktungsstrategie, die gesamte Interessenten-Betreuung bis hin zu Nachverhandlungen und die Vorbereitung des Kaufvertrages  – um nur die wichtigsten Aufgaben zu nennen. Überdies ist vielen nicht bewusst, dass der Makler sein Honorar nur im Erfolgsfall erhält. Wird das Objekt wider Erwarten nicht verkauft, fallen auch keine Kosten an.“ Die Erfolgsquote von Raiffeisen Immobilien lag 2018 bei fast 90 Prozent – innerhalb von längstens sechs Monaten konnte für 89 Prozent der zu vermittelnden Objekte ein Käufer oder Mieter gefunden werden.

Wer Haus, Wohnung oder Grundstück mit Makler-Hilfe verkauft bzw. vermietet hat, war laut Umfrage in knapp zwei Drittel der Fälle mit dem Service des Maklers zufrieden: 65 Prozent vergaben die Note 1 bzw. 2 für „sehr zufrieden“ und „zufrieden“, nur 12 Prozent ein „genügend“ oder „nicht genügend“. Im Mittelwert beurteilen Immobilien-Abgeber, die mit Maklern zusammengearbeitet haben, diese mit der guten Note 2. Deutlich mehr als die Hälfte würde im Falle eines neuerlichen Verkaufes wieder einen Makler beauftragen.

Höherer Verkaufspreis

Mit Makler-Unterstützung lag der erzielte Verkaufspreis deutlich häufiger über dem Angebotspreis, und zwar in 15 Prozent der Fälle, verglichen mit 6 Prozent ohne professionelle Unterstützung. Weinberger führt das auf die realistischere Einschätzung des Angebotspreises durch den Makler zurück: „Eine Analyse des deutschen iib Institutes hat gezeigt, dass der richtige Angebotspreis entscheidend für den Verkaufserfolg und die Dauer des Vermittlungsprozesses ist. Wer über dem Marktwert anbietet, muss mit einer achtmal so langen Verwertungsdauer rechnen und erzielt im Schnitt einen deutlich geringeren Verkaufspreis als Verkäufer, die zum oder knapp unter dem tatsächlichen Marktwert anbieten.“ Wer also von Anfang an mit einem erfahrenen Immobilienmakler arbeite, profitiere von dessen korrekter Einschätzung des Immobilienwertes und der professionellen Verkaufsstrategie.

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