Was sind das für Filter?

Was sind das für Filter?

Claude Monet bringt Farbe und Licht in die Albertina. Diese stellt zentrale Werke aus allen Schaffensphasen aus. Und die Moderne wirft ihre zarten Schatten voraus.

Von Stefan Niederwieser

Impression, da war ich sicher. Ich sagte mir auch, weil ich beeindruckt war, musste eine Form von Eindruck darin sein … und welche Freiheit, welche Gewandtheit der Ausführung! Tapete in ihrem embryonalen Zustand ist ausgearbeiteter als dieses Seestück da.“ Das schreibt der Journalist Louis Leroy in einem fiktiven Streitgespräch, das dem Impressionismus später seinen Namen gibt. Eine Reihe von Künstlern hatte sich zu einer Ausstellung zusammengetan, weil sie im Pariser Salon laufend abgelehnt werden. Ein Bild stößt dort auf besondere Kritik. Die Spiegelungen der Sonne im Wasser sind ein paar gekreuzte Striche, dahinter ist wildes Grau in Grau, das blaue Schiff könnte wohl von einem Kind gemalt worden sein und überhaupt ist darauf nichts zu erkennen. Es stammt von Claude Monet und heißt „Impression Sonnenaufgang“. Der Durchbruch ist das stilbildende Gemälde noch lange nicht. Der kommt erst viele Jahre später.

Seerosen, 1908 (c) Sammlung Callimanopulos

Heute kann man sich kaum einen größeren Namen vorstellen, kaum einen Künstler, der wichtiger war im Langen Jahrhundert, der den Stil seiner Zeit geprägt und den Weg in die Moderne geebnet hat. Claude Monets Motive finden sich zu tausenden auf Postkarten und Drucken, auf Tassen, Döschen und Taschen, über Kaminen, Couchs und Klos. Aber man muss sich vor Augen führen, wie radikal diese Künstler damals waren. Sie verstießen gegen alle Konventionen. Sie lösten Menschen, Häuser und die Natur auf, es bleiben nur mehr Farbe, nur mehr Licht und Schatten. Für sie zählt der flüchtige Augenblick. Die Gestalten auf dem Boulevard des Capucines haben kein Gesicht, sie sind nicht einzigartig, sondern existieren nur mehr als anonyme Masse. Die Impressionisten malen auch keine mythischen Gestalten, keine Helden und Heerführer, keine historischen Szenen und keine Götter, sondern Menschen beim Spazieren, beim Bootsfahren, am Strand oder im Garten. Hier findet die moderne Freizeitkultur ihren frühesten Ausdruck.
Claude Monet flieht 1870 nach London, um nicht im Deutsch-Französischen Krieg kämpfen zu müssen und lernt dort die Malerei von William Turner kennen. Kurz darauf sichert eine Erbschaft erstmals ein bürgerliches Auskommen, er zieht vor die Tore von Paris nach Argenteuil, wohin der Wiederaufbau viele Brücken und Wege für neue Dampfrösser gebracht hat, später nach Vétheuil, ein verarmter Wallfahrtsort auf halbem Weg in die Normandie. Er malt in dieser Phase vor allem Landschaften und perfektioniert seine Technik, er schichtet seine Striche zusehends, die Bilder wirken dadurch regelmäßiger. Den Winter fängt er in allen Facetten ein, mal blau und rosa, mal grünlich, gelb, eisig und klar, mal matschig, mal neblig oder frisch verschneit. 1890 beginnt er dann erstmals, dieselbe Ansicht mit genau demselben Bildausschnitt immer wieder zu malen, einige Heuschober und Pappeln nahe bei Giverny, die Kathedrale von Rouen, später auch das Parlament in London und die Brücke bei Charing Cross.

Getreideschober in der Sonne, 1891 (c) Kunsthaus Zürich

„Ohne Amerika wäre ich verloren, ruiniert gewesen, nachdem ich so viele Monets und Renoirs gekauft hatte. Die zwei Ausstellungen dort 1886 haben mich gerettet. Die amerikanische Öffentlichkeit hat mittelmäßig gekauft… aber dank ihr konnten Monet und Renoir überleben und hinterher ist die französische Öffentlichkeit ihr gefolgt“, sagte der Galerist Paul Durand-Ruel später. Sein Anteil am Erfolg der Impressionisten ist ganz beträchtlich, er soll für den Verkauf von rund einem Drittel ihrer Bilder verantwortlich sein. Seine Serien malt Claude Monet also zu einem Zeitpunkt, als es erstmals eine echte Nachfrage nach ihm gibt.
Kurz darauf entstehen schon neuere, jüngere Avantgarden, die den alten Konkurrenz machen. Die Pointillisten etwa, die in die entgegengesetzte Richtung gehen, die kleine Farbpunkte nebeneinander setzen und geometrische Formen wiederentdecken. Einige Kollegen wenden sich dem neuen Stil zu. Monet reagiert, indem er seine Striche immer schneller setzt, nur widerwillig gibt er dem Drängen von Freunden nach, seine Bilder doch bitte wieder stärker auszuarbeiten. Er kann sich jetzt mehrere Gärtner leisten, lässt in Giverny einen Bach durch seinen Garten leiten und einen Teich anlegen. Hier entstehen die Gemälde der japanischen Brücke und der Seerosen. Die Pinselstriche werden bis hin zu seinem Tod immer ungestümer, der Bildraum löst sich auf, die Farben verschieben sich völlig – wohl begründet durch Grauen Star – und die Natur wuchert in Rot, Grün und Gelb, in Türkis, Violett und Orange. Die Abstraktion hat da längst schon die Moderne übernommen.

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