Weiter in die Tiefe gehen

Weiter in die Tiefe gehen

Zum elften Mal packen heuer Raiffeisen-Unternehmerberater aus Wien und Niederösterreich in den Betrieben ihrer Kunden kräftig mit an – einer davon bei einem orthopädischen Schuhmacher.

Von Alexander Blach

Rund 60 Raiffeisen-Unternehmerberater setzen heuer mit ihrer Teilnahme an der Aktion „Mittendrin statt nur dabei“ wieder ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber ihren Kunden. „Denn wer bei uns Unternehmer beraten möchte, braucht nicht nur Fachkompetenz, sondern auch das Verständnis für deren Geschäft. Die Leidenschaft der Unternehmer hautnah zu erleben und in ganz andere Arbeitswelten einzutauchen, ist das Ziel dieser Aktion“, erklärt der Initiator von „Mittendrin statt nur dabei“, Gaston Giefing, Leiter Raiffeisen Private Banking und Handel- und Gewerbekunden Wien. Darüber hinaus helfe dieser Wissensvorsprung dabei, genauer auf die Bedürfnisse der Unternehmer eingehen zu können. „Über Arbeitsabläufe, Betriebsklima und -atmosphäre Bescheid zu wissen, erleichtert die Beratung immens“, weiß Giefing. Aber vor allem die Verantwortung für kleine und mittlere Unternehmen soll durch die Aktion ins Bewusstsein der Raiffeisenberater übergehen.

Eine Verantwortung, der sich Martin Heidegger, Berater im Kundenzentrum Seilergasse im ersten Bezirk, durchaus bewusst ist. War es doch er, der es dem 25-jährigen Schuhmachermeister Alexander Steinlechner ermöglichte, seinen Traum zu verwirklichen.
Nachdem sich Steinlechner sein erstes Verkaufslokal in der Linzer Straße 371 selbst finanzierte, fehlte für die Investition in eine eigene Werkstatt ein geeigneter Partner. „Ich war bei vielen verschiedenen Banken, aber nur bei Raiffeisen hat man mir zugesagt“, erzählt Steinlechner, der das traditionelle Handwerk des Orthopädieschuhmachers mit innovativer Technik verbindet.

(c) Roland Rudolph

Wo andere zum Vermessen des Fußes mit Maßband, Bleistift und Gips arbeiten, setzt Alexander Steinlechner auf eine bequemere, aber auch genauere Methode. Mittels 3D-Scanner fertigt er am Computer ein exaktes Abbild des Fußes oder gar des ganzen Beins an. „Auf ein Hundertstel genau werden dabei die Maße genommen“, betont der Schuhmacher. Der Scanner kommt aus den Vereinigten Staaten, aber das Computerprogramm dazu wurde selbst geschrieben. Und nur wer die traditionelle Technik perfekt beherrscht, könne auch die benötigte Software dazu schreiben, erklärt er stolz weiter.
Mit dem digitalen 3D-Modell wird anschließend per CNC-Fräse der sogenannte Leisten gefertigt, ein Formstück aus Holz, das exakt dem jeweiligen Fuß entspricht. Auch hier spart man als Schuhmacher Zeit, da in der Regel auch der Leisten von Hand gemacht werden muss. Mit diesem Mix aus Tradition und Fortschritt möchte Steinlechner, wie er sagt, „auf sich aufmerksam machen“.
Raiffeisen-Unternehmerberater Martin Heidegger konnte er mit seinem Konzept überzeugen: „Dazu ist Alexander topmotiviert und engagiert. Er hat mit seinen 25 Jahren schon irrsinnig viel erreicht, das hat mich alles sehr beeindruckt.“
Bei seinem Tag als orthopädischer Schuhmacher hat Heidegger in Steinlechners Werkstatt blicken dürfen und sein erstes Paar Schuhe vernäht. „Durch die Aktion lerne ich meinen Kunden und seine Arbeit noch besser kennen und verstehen. Ich sehe mit meinen eigenen Augen, was wir als Bank unterstützt haben, wie es funktioniert und wie es angenommen wird“, resümiert Heidegger. Vor allem die persönliche Beziehung zum Kunden werde gestärkt, wodurch man bei künftigen Kundengesprächen weiter in die Tiefe gehen könne. Als Kunde schätze Steinlechner den persönlichen Kontakt zu seinem Bankberater: „Es ist gut zu wissen, einen Ansprechpartner zu haben, der mit mir richtige Lösungen sucht.“