„Wertschätzung vor Wertschöpfung“

„Wertschätzung vor Wertschöpfung“

Die Raiffeisenkasse Blindenmarkt lud zur Generalversammlung und feierte ihr 125-jähriges Bestehen.

Von Hermann B. Hackl

Im Jahr 1894 hatte der damalige Ortspfarrer mit insgesamt 32 Mitgliedern den Spar- und Darlehenskassenverein in Blindenmarkt gegründet. Der Geschäftsverkehr ist zunächst nur an Sonntagen im Extrazimmer des ortsansässigen Gasthauses vollzogen worden. 125 Jahre später feierte die daraus entstandene Raiffeisenkasse Blindenmarkt in exakt denselben Räumlichkeiten, dem nunmehrigen Gasthof Pitzl, ihren langjährigen Bestand.

Karl Moser, Norbert Hasel­steiner, Erwin Hameseder, Christian Böhm, Franz Wögerer, Georg Strasser und Petra Weinstabl (c) RK Blindenmarkt

„Eine durchgehende Geschichte, die gerade in der heutigen Zeit nicht jedes Unternehmen feiern kann“, bekräftigte Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, bei seiner Festansprache. Die Genossenschaftsidee von Friedrich-Wilhelm Raiffeisen hatte sich zur damaligen Zeit in Niederösterreich sehr rasch verbreitet, führte Hameseder fort: „Anfangs waren es sehr kleine, überschaubare Genossenschaftsgebiete, denn die Nähe zu den Mitgliedern war die wichtigste Voraussetzung, um die Werte – Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung – gewährleisten zu können.“ So konnten auch kleinere Kassen, wie jene in Blindenmarkt, eine erfolgreiche Entwicklung nehmen. Für deren strukturelles Idealbild, so Hameseder, gelte nach wie vor, die Kundenbedürfnisse der eigenen Region bestmöglich bedienen zu können: „Raiffeisenbanken sind zum Angreifen, auch in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung. Gerade wenn es um komplexere Produkte geht, ist das Bankgeschäft eines von Angesicht zu Angesicht.“ Besonders überzeugt zeigte sich Franz Wögerer, Obmann der Raiffeisenkasse Blindenmarkt, vom bisher eingeschlagenen Weg: „Wir kennen unsere Kunden beim Namen und umgekehrt, unsere Währung ist das gegenseitige Vertrauen.“ Der Mensch stehe im Mittelpunkt – im Sinne von „Wertschätzung vor Wertschöpfung“. Zu diesem Weg gratulierten unter anderen Bürgermeister Franz Wurzer, Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner, Landtagsabgeordneter Karl Moser sowie Abgeordneter zum Nationalrat und Bauernbundpräsident Georg Strasser im Zuge des Festaktes. Im Anschluss daran lud Obmann Wögerer die erschienenen Genossenschaftsmitglieder zu einer geschichtlichen Zeitreise in die Raiffeisenkasse. Gemeinsam mit Ski-Ass und Olympia-Medaillengewinnerin Katharina Gallhuber wurden dort unveröffentlichte Fotos und Filme über Blindenmarkt und dessen Kulturleben der letzten 125 Jahre besichtigt.

Zuvor präsentierte aber noch Geschäftsleiter Christian Böhm den Lagebericht 2018: „Sehr zufriedenstellend war die überdurchschnittliche Steigerung bei der Finanzierungsleistung, welche im Wesentlichen auf den Wohnbau und den privaten Konsum zurückzuführen ist.“ So betrugen die aushaftenden Kredite per Jahresende 34,7 Mio. Euro und erhöhten sich gegenüber 2017 um 11,8 Prozent. Die größte Kreditnehmergruppe stellten mit einem Anteil von 56 Prozent deutlich die unselbstständig Erwerbstätigen dar. Mit dem erfolgten Zuwachs bei den Einlagen auf etwa 55 Mio. Euro (davon rund 35 Mio. Spareinlagen und 20 Mio. Euro Giroeinlagen) sei das gesetzte Unternehmensziel erreicht worden. Auch die Position des örtlichen Marktführers konnte, so Böhm, ausgebaut werden. Die Bilanzsumme 2018 mit rund 62 Mio. Euro erhöhte sich um 10,5 Prozent. Die Betriebserträge stiegen um 16,9 Prozent auf knapp 1,6 Mio. Euro. Gleichzeitig wuchsen aber auch die Betriebsaufwendungen um 12,3 Prozent auf 1,3 Mio. Euro. Somit ergab sich ein Betriebsergebnis von rund 310.000 Euro.

„Trotz der Widrigkeiten der schon viele Jahre andauernden Niedrigzinsphase streben wir für das Geschäftsjahr 2019 im betriebswirtschaftlichen Bereich wieder das Erzielen eines angemessenen Betriebsergebnisses an, mit dem Hauptaugenmerk auf ein moderates Kreditwachstum“, schloss Geschäftsleiter Böhm mit der Zielsetzung für das aktuelle Jahr ab.

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