„Wir sind operativ noch besser unterwegs als 2017“

„Wir sind operativ noch besser unterwegs als 2017“

Zum Halbjahr berichtet die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich über mehr Kunden, mehr Finanzierungen und mehr Spareinlagen.

Von Elisabeth Hell

Wir haben im ersten Halbjahr 2018 im Wesentlichen die uns gesteckten Ziele erreicht“, fasst Heinrich Schaller, Generaldirektor der RLB OÖ, kurz zusammen. Obwohl der Periodenüberschuss vor Steuern mit 196,8 Mio. Euro um 16,2 Prozent niedriger ausgefallen ist als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, „sind wir operativ noch besser unterwegs als 2017“, berichtet der Generaldirektor.
Die Einlagen konnten im ersten Halbjahr um 114 Mio. Euro auf 12,2 Mrd. Euro gesteigert werden – das Sparen und Online-Sparen um 5,5 Prozent, die Giroeinlagen um 3,1 Prozent. Die Finanzierungen sind um 1,1 Mrd. auf 21,5 Mrd. Euro geklettert. Die Betriebsmittelfinanzierungen sind dabei um 10,1 Prozent und die Investitionsfinanzierungen um 5,0 Prozent gestiegen.
Das kräftige Wachstum führt Schaller vor allem auf Verlässlichkeit zurück: „Unsere Kunden, insbesondere unsere Firmenkunden, schätzen unsere Dienste und­ empfehlen diese auch weiter.“ Die ­Kun-
denorientierung und die Weiterempfehlungsbereitschaft der Kunden wurde heuer auch mit dem Recommender-Award des Finanz-Marketing ­Verbandes Österreich in der Kategorie Großbanken bestätigt. „Unsere Bemühungen tragen Früchte“, freut sich Schaller über 538 neugewonnene Firmenkunden im ersten Halbjahr, die die Finanzdienstleistungen der RLB umfangreich in Anspruch nehmen.

Nachfolge im Fokus
Aber nicht nur bei der Fremdkapitalfinanzierung hat man zusätzliche Aktivitäten gesetzt, sondern auch in der Eigenkapitalfinanzierung. „Fast schon ein Markenzeichen von uns“, so Schaller. Insgesamt hat die RLB gemeinsam mit den Raiffeisenbanken dafür im ersten Halbjahr 14,1 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Das Beteiligungsgeschäft nimmt bei Raiffeisen Oberösterreich einen wichtigen Stellenwert ein und die Unternehmen nehmen das Angebot auch verstärkt an. Neben der klassischen Wachstumsfinanzierung wird Raiffeisen immer öfter in die Nachfolgeregelung der KMUs einbezogen. „Die Problematik der Unternehmensnachfolge gibt es schon lange, aber jetzt kommt es immer stärker ins Bewusstsein, dass man auch andere Marktteilnehmer dafür nutzen kann. Wir sind ein solcher Problemlöser.“ Die Nachfrage nach Unternehmensnachfolge sei in den vergangenen Monaten stark gestiegen und Raiffeisen OÖ sei schon zahlreiche solche Beteiligungen eingegangen. Als Vorzeigeprojekt wird die 55-Prozent-Beteiligung beim Onlinehändler „e-tec electronic“ angeführt. Dabei gehe es nicht nur um das entsprechende Kapital, sondern auch darum, das Unternehmen im Land zu halten.
Obwohl die Finanzierungen kräftig gestiegen sind und mit ihnen auch die Risk Weighted Assets, konnte die RLB OÖ ihre Kernkapitalquote halten. Zum Halbjahr weist die RLB eine CET1-Ratio von 14,9 Prozent aus. Unter Einberechnung des Halbjahresgewinnes wäre die Rate sogar bei 15,6 Prozent. Mit dieser harten Kernkapitalquote könne und werde man den Wachstumskurs, der vor zwei Jahren begonnen wurde, fortsetzen, so Schaller.
Eine gute Kapitalquote ist auch wichtig, wenn es um langfristige Finanzierung am Markt geht. Als Highlight der ersten Jahreshälfte wird die Emission einer besicherten Anleihe in Höhe von 500 Mio. Euro gesehen, die noch dazu doppelt überzeichnet war. Schaller erklärt: „Wir wollen unsere Firmen- und Privatkunden langfristig mit Finanzierungen versorgen und begleiten. Dafür braucht man auch langfristige Refinanzierungen vom Markt.“

(c) RLB OÖ/Strobl

Abwertung
Dass der Halbjahresgewinn um 38,1 Mio. Euro niedriger ausfällt als im Vorjahr, hat vor allem Bewertungsgründe. Als Aktionär der Raiffeisen Bank International konnte man sich die guten Ergebnisse der RBI im ersten Halbjahr zwar gutschreiben, aber der deutlich gesunkene Börsekurs führte zu einer Bewertungsreduktion in der Bilanz. In der Gesamtbetrachtung liefert die RBI noch immer einen positiven Ergebnisbeitrag von 25,7 Mio. Euro. Der Rückgang beim Ergebnis aus at-equity bilanzierten Unternehmen um 49,1 Mio. Euro ist also vor allem auf die Abschreibung der RBI-Gruppe in Höhe von 43,4 Mio. Euro zurückzuführen. Positive Beiträge kamen insbesondere von der Voestalpine sowie der Raiffeisenbank Prag, der WAG und der Amag, die gemeinsam einen Beitrag in Höhe von 687 Mio. Euro lieferten.
Der Zinsüberschuss ist um 33,7 Mio. auf 195,1 Mio. Euro im Verhältnis zum ersten Halbjahr 2017 gestiegen, trotz Rückstellungen für die Rückzahlung der Negativzinsen in der Größenordnung von 18,2 Mio. Euro. Die Risikovorsorgen sind nach wie vor auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Verwaltungsaufwendungen sind um 6,1 Prozent gestiegen. Einerseits wurden per Jahresende 2017 neue Gesellschaften in den Konzernkreis aufgenommen und andererseits ist dieser Anstieg auf verschärfte regulatorische Anforderungen zurückzuführen. Die Beiträge für den europäischen Abwicklungs- und Einlagensicherungsfonds sind mit 19,0 Mio. Euro zur Gänze im ersten Halbjahr verbucht worden. Auch die Bankenstabilitätsabgabe wurde bereits mit 16,3 Mio. Euro verbucht; für das Gesamtjahr wird die Stabilitätsabgabe für den Konzern 19,8 Mio. Euro betragen.
Das operative Geschäft läuft auch bei den oberösterreichischen Raiffeisenbanken „extrem gut“, wie Schaller kurz berichtet. Einlagen, Finanzierungen und Risikogeschäft entwickeln sich sehr positiv.

Digitaler Fortschritt
Für das Gesamtjahr sind die Vorzeichen weiterhin gut, auch wenn die Konjunkturdynamik etwas nachlässt. Die Nachfrage nach Investitionskrediten lasse bereits nach: „Wenn sich die Gesamtkonjunktur weniger stark nach oben entwickelt, dann ist es verständlich, dass man auch bei Investitionen etwas vorsichtiger wird. Das ist keine schlechte Nachricht.“
Weitere Fortschritte plant die RLB OÖ im Bereich der Digitalisierung, um den Kunden die einfachste Art und Weise des Bankgeschäfts zur Verfügung zu stellen. Vom Direktkredit bis 4.000 Euro (bis Jahresende bis zu 30.000 Euro), zum neuen „Mein Elba“, bis zu kontaktlos bezahlen auch per Handy – „Hier sind revolutionäre Vorgänge für das Bankgeschäft bereits in Umsetzung und wir glauben, dass wir über diese Schiene viele Ressourcen freisetzen können, um die persönliche Beratung noch mehr zu intensivieren“, erklärt Schaller das Konzept.
Die Innovationskraft der Bank wird durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Business-Angel-Netzwerk „start-up300“ und der Partnerschaft beim Venture Capital Fonds „capital300“ und „think300“ weiter gefördert. Seit einem Jahr gibt es auch eine universitäre Kooperation zum Thema „Künstliche Intelligenz“. Dabei geht es nicht um die Beratung durch Roboter, sondern um Informationen, die durch künstliche Intelligenz zur Verfügung gestellt werden können.

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