„Wir spüren das Wachstum“

„Wir spüren das Wachstum“

Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark zog eine erfolgreiche Bilanz 2017. Über die starke Kapitalisierung und das dynamische Kundengeschäft freut sich Generaldirektor Martin Schaller.

Von Christian Lovrinovic

Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark erzielte 2017 ein „ausgezeichnetes Gesamtergebnis“ nach IFRS in Höhe von 233,4 Mio. Euro, nach 49,1 Mio. Euro im Jahr davor, freute sich Generaldirektor Martin Schaller bei der Präsentation der Bilanz und betonte: „Wir spüren die gute Konjunktur in der Steiermark, speziell das Wirtschafts- und Exportwachstum.“ Einen wesentlichen Beitrag zum stark gestiegenen Ergebnis lieferte die wieder „sehr gut performende“ Raiffeisen Bank International (RBI) durch einen positiven Bewertungseffekt in Höhe von 143 Mio. Euro. Die Bilanzsumme der RLB wurde „bewusst insbesondere im Interbankengeschäft“ um 1,7 Prozent auf 14,71 Mrd. Euro zurückgefahren. Die Eigenmittelquote stieg um 2,4 Prozentpunkte auf 21,2 Prozent, die Kernkapitalquote um 2,5 Prozentpunkte auf 20,2 Prozent.

Martin Schaller (c) Raiffeisen/Riedler

Als Treiber der positiven Entwicklung sieht Schaller die gute Konjunktur, das dynamische Kundengeschäft und die umsichtige Geschäftspolitik der RLB. Das IFRS-Ergebnis sei grundsätzlich volatiler als jenes nach UGB. Die RLB Steiermark konnte das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) nach UGB im Vorjahr auf 61,2 Mio. Euro mehr als verdoppeln (2016: 30,5 Mio. Euro). Die Bilanzsumme ging um 1,4 Prozent auf 11,51 Mrd. Euro leicht zurück. Die Eigenmittelquote und die Kernkapitalquote sanken leicht jeweils um 0,6 Prozentpunkte auf 21,1 bzw. 19,1 Prozent. „Unsere Kapitalquoten sind auch im internationalen Vergleich hervorragend und belegen die Stabilität der RLB Steiermark. Damit sind wir bestens in der Lage, Private und die heimische Wirtschaft bei ihren Investitionen zu begleiten“, betonte Schaller, der auf ein 13-prozentiges Kreditwachstum im Vorjahr „in sehr, sehr guten Bonitäten“ verwies. Gleichzeitig sank die Kennzahl für nicht fristgerecht bediente Kredite, die sogenannte NPL-Quote, um 1,1 Prozentpunkte auf historisch niedrige 3,4 Prozent.

Mehr Kundenvertrauen
Die 60 steirischen Raiffeisenbanken und die RLB Steiermark lieferten 2017 eine starke gemeinsame Performance ab. „Wir haben in der Steiermark 750.000 Privatkunden- und 68.000 Firmenkundenbeziehungen“, so Schaller. Zudem konnten im Vorjahr 21.000 Privatkunden und 2.200 Firmenkunden neu gewonnen werden. Insgesamt wurden 510.000 Beratungsgespräche geführt. Die Zahl der Bankstellen sank analog zum generellen Trend um 5 Prozent auf 256. Das Online Banking legte hingegen um 7 Prozent auf 275.000 Elba-Nutzer zu. Damit hat Raiffeisen in der Steiermark einen Marktanteil von rund 40 Prozent. Auch die Elba-App freut sich zunehmender Beliebtheit von 141.000 Nutzern, ein Plus von 41 Prozent im Jahresabstand. Besonders dynamisch entwickelte sich das Kreditgeschäft mit insgesamt 33.400 neu vergebenen Krediten, davon 7.100 an Unternehmen. Insgesamt wurden 2,8 Mrd. Euro an neuen Finanzierungen vergeben. „Das gesamte Kreditvolumen stieg auf 14,1 Mrd. Euro und wird durch ebenso wachsende Einlagen in Höhe von 14,8 Mrd. Euro ermöglicht. Das ist unser Modell des Crowdfundings, dem die Steirer in hohem Maß vertrauen“, kommentierte der Generaldirektor. Insgesamt wurden im Vorjahr Raiffeisen Steiermark 35,7 Mrd. Euro an Kundengeldern anvertraut.
Unterm Strich erwirtschaftete die Raiffeisenbankengruppe Steiermark im Vorjahr ein EGT von 152 Mio. Euro, ein Rückgang um 5,7 Prozent auf Jahresbasis. Diesen führt Schaller auf zwei Sondereffekte zurück: Einerseits hatten Änderungen im Rechnungslegungsgesetz in der Bilanz 2016 zu positiven einmaligen Auflösungen von rund 20 Mio. Euro geführt. Andererseits wurde das Ergebnis 2017 durch Rückstellungen zur Refundierung von Negativzinsen ebenfalls in Höhe von rund 20 Mio. Euro belastet. Ohne diese beiden Sondereffekte hätte die RBG im Vorjahr ein deutlich höheres Ergebnis als 2016 ausgewiesen, betonte Schaller. Die Bilanzsumme der RBG legte um knapp 1 Prozent auf 27,05 Mrd. Euro zu.

„Wir leben die Idee“
„2018 ist für uns ein ganz besonderes Jahr“, erinnerte Schaller an den 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Die Geburt der Idee Raiffeisen sei in eine wirtschaftlich sehr herausfordernde Zeit gefallen. Von einer derartigen Konjunktur wie derzeit in Österreich hätte Raiffeisen nicht einmal in seinen kühnsten Erwartungen träumen können. Die damals von Raiffeisen entwickelten genossenschaftlichen Grundprinzipien wie Regionalität, Subsidiarität und Solidarität haben nichts an Geltung verloren und werden bei Raiffeisen Steiermark nach wie vor gelebt. Das dokumentiere nun auch der erstmals veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht der RLB auf Basis des „Global Compact Standards“. Darin werden vielfältige Kriterien vom Geschäftsmodell über Kundenbeziehungen bis zu sozialen und ökologischen Aspekten beschrieben. Besonders hob der Generaldirektor den sinkenden Energie- und Ressourcenverbrauch hervor. So werden mittlerweile 95 Prozent aller Kontobewegungen digital beauftragt. „Die Digitalisierung ist auch ein Thema der Nachhaltigkeit.“ Der jährliche Papierverbrauch reduzierte sich von 2007 bis 2017 um 71 Prozent pro Mitarbeiter auf 28,3 Kilogramm. Der Gesamtenergieverbrauch wurde zwischen 2014 und 2017 um 18,3 Prozent gesenkt. „2.600 RLB-Kunden haben die persönliche Beratung bewertet und im Durchschnitt die Top-Note von 1,09 vergeben“, sagte Schaller.
Qualität in der Beratung und rasche Entscheidungen zeichnen Raiffeisen aus. „Die Hochkonjunktur ist kein Selbstläufer per se“, weiß Schaller. Erfreulich sei der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Steiermark, was ein Selbstverstärker für die Konjunktur und die ohnehin schon „sehr gute Stimmung“ sei. Dennoch bleiben die Zeiten gerade für Banken weiterhin anspruchsvoll, etwa durch die Negativzinsen. „Wir sind schon gespannt, wann diese Draghische Geldpolitik endet, die in einer Hochkonjunktur nicht mehr angebracht ist – weder für Sparer noch für Unternehmen“, sagte Schaller. Aber auch die zunehmenden regulatorischen Aufwände aus Basel, Brüssel, aber auch Wien seien herausfordernd. Österreich und Europa müssen stärker in Richtung Deregulierung kommen: „Wir Banken sind nicht dazu da, damit wir unsere Kunden mit Bürokratie überschütten.“ Es gebe aber mittlerweile erste Anzeichen und Ankündigungen, die Regulierungen zurückzufahren, sowie einige wenige Umsetzungen wie die Reduktion der Anzahl der notwendigen Ausschüsse für kleinere Banken. Intensiv beschäftige man sich mit der Datenschutz-Grundverordnung, für deren Umsetzung zusätzliches Personal aufgenommen wurde. Die Regulierung führe einerseits zu höheren Kosten und andererseits zu einem größeren Kapitalbedarf. „Das ist ein Spagat, der sehr herausfordernd ist. Eine sinnvolle Deregulierung könnte zu einem Investitionsschub führen“, ist Schaller überzeugt.
Gut unterwegs sei man auf der Effizienzseite. „Wir durchleuchten unsere Geschäftsprozesse permanent und können uns da auch immer wieder verbessern“, so der Generaldirektor. Ein Dauerthema sei, die Zusammenarbeit der RLB mit den Raiffeisenbanken auszubauen, um Synergieeffekte zu heben. Für heuer werden in der Steiermark fünf Fusionen auf der Primärstufe erwartet, die Dynamik flacht etwas ab.

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