„Wir werden immer produktiver“

„Wir werden immer produktiver“

53.000 Leasing-Verträge, ein Portfolio von knapp vier Mrd. Euro und 25 laufende Wohnbauprojekte – Raiffeisen-Leasing sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt, wie CEO Alexander Schmidecker im Interview erklärt.

Interview: Elisabeth Hell

Wie ist das Jahr 2017 für Raiff­eisen-Leasing gelaufen?
Alexander Schmidecker: Sowohl das Neugeschäft als auch das Ergebnis waren 2017 besser als erwartet. Die fehlenden Risikokosten sind auch ein Grund, dass das Ergebnis so gut war. Die Raiffeisen-Leasing hat mit ihren wesentlichsten Gesellschaften, Raiffeisen-Leasing-Fuhrparkmanagement, Raiffeisen-Leasing Österreich, Raiffeisen-Leasing Management, RBI-Leasing und Uniqa-Leasing, zusammen rund 20 Mio. Euro Ergebnis vor Steuern erwirtschaftet.

(c) RZ/Roland Rudolph

Wie war die Entwicklung im Vergleich zu 2016?
Schmidecker: Selbst bereinigt um die Sondereffekte 2016 ist das Ergebnis dieser Gesellschaften gestiegen. Unsere strategische Neuaufstellung, die wir in den vergangenen fünf Jahren durchgeführt haben, beginnt zu wirken.

Was hat sich an der Ausrichtung geändert?
Schmidecker: Unser Schwerpunkt ist die Mobilitätsfinanzierung für Privat- und Kommerzkunden sowie KMUs und den öffentlichen Bereich. Mobilien-Leasing, Immobilienleasing und Spezialleasingprodukte ergänzen das Thema Mobilitätsfinanzierung und runden unser Profil als Universalleasinggesellschaft ab. Unser Bauträgergeschäft Raiffeisen WohnBau ist auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich, aber wir sind in diesem Bereich bereits seit mehr als 25 Jahren sehr erfolgreich tätig. Wir definieren uns als Serviceeinheit für Leasing und Bauträger und managen verschiedenste Leasinggeber-Gesellschaften.

Warum fokussiert man auf das Autoleasing?
Schmidecker: Kfz-Leasing und Fuhrparkmanagement sprechen die meisten unserer Privat- und Firmenkunden an. Im öffentlichen Bereich hat unser Fuhrparkmanagement im Vorjahr die Ausschreibung für Hybrid-, Elektro- und alternative Mobilität der Bundesbeschaffungsgesellschaft gewonnen, worauf wir sehr stolz sind. Wir haben dadurch die Möglichkeit, Unternehmen und Institutionen der öffentlichen Hand anzusprechen und haben schon ein paar hundert Fahrzeuge finanziert. Wir gehen davon aus, dass mehrere tausend Fahrzeuge abgerufen werden.

Lässt sich die neue Strategie schon in Zahlen ablesen?
Schmidecker: Die Anzahl der Neuverträge im Kfz-Leasing ist seit 2013 um 36 Prozent gestiegen. Im Vergleich April 2018 zu April 2017 haben wir mit der gleichen Mannschaft um etwa 10 Prozent mehr Verträge abschließen können. Wir werden immer produktiver.

Ist die strategische Re-Definition abgeschlossen oder wollen Sie noch an Schrauben drehen?
Schmidecker: Von der Marktbearbeitung her haben wir drei Schwerpunkte: Das eine ist der Sektor, für uns das wichtigste Marktsegment, wo wir versuchen den Raiffeisenbanken das Thema Mobilitätsfinanzierung für Kunden noch näher zu bringen. Der zweite Bereich ist Leasing über Absatzpartner, da gehört etwa Uniqa-Leasing als unser größter Stückzahl-Aufbringer dazu oder die Versicherungen GRAWE und NÖ-Versicherung sowie Tesla Finance und John Deere Financial Services. Und schließlich gibt es noch den Direktvertrieb, für uns auch ganz wichtig, weil wir so Zugang zu Neukunden bekommen und diese über das Thema Leasing an die Raiffeisenbankengruppe binden können. Die Kombination dieser Vertriebswege macht uns unverwechselbar.

Wie läuft der Direktvertrieb?
Schmidecker: Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, dass die Kundenansprache noch besser funktioniert, indem wir klare Direktvertriebsziele ausgegeben haben. Das Schöne ist, dass wir ein emotionsgeladenes Produkt haben, mit dem es uns gelingt, relativ schnell einen Kundentermin zu bekommen.

Welche Rolle spielt der Onlinevertrieb?
Schmidecker: Wir haben seit über einem Jahr den Online Leasingrechner, mit dem es möglich ist einen Leasingvertrag zu kalkulieren, sich genehmigen zu lassen und auch online abzuschließen. Das ist sehr vielversprechend angelaufen und wir haben so schon knapp 400 Leasingverträge abgeschlossen. Heuer wird Raiffeisen-Leasing auch als integriertes Verbundunternehmen in die Digitale Regionalbank kommen. Wir sind überzeugt, dass der Onlinevertrieb ein wichtiges Instrument ist, vor allem für das Privatkundengeschäft und für KMUs.

Der allgemeine Trend geht weg vom Besitz und hin zu sharen und leasen. Können Sie diesen Wandel auch erkennen?
Schmidecker: Leasing setzt Trends und ist in Österreich sehr beliebt: Mehr als 40 Prozent der Autos werden über Leasing finanziert. Der ganzen Leasingwirtschaft ist es gut gelungen, Zusatzservices wie Versicherungen, Wartung und auch das Restwertthema so zu gestalten, dass die Kunden wirklich nur die Nutzung des Autos im Vordergrund sehen. Vor allem das Thema Rückgabemöglichkeit am Ende der Laufzeit wird immer interessanter, weil man nicht genau weiß, wohin sich die Technologie hinbewegt.

Wie geht Raiffeisen-Leasing mit den unsicheren Zeiten um?
Schmidecker: Wir können auf die Expertise unsere Mitarbeiter und Partner vertrauen und dadurch Marktentwicklungen gut abschätzen. Zweimal im Monat bringen wir die alten Fahrzeuge unserer Kunden über Online-Auktionen wieder auf den Markt. Über unsere Verwertungsplattform, an die 300 Autohändler elektronisch angebunden sind, können wir Autos sehr schnell und einfach verwerten.

Ein Dieselfahrverbot in österreichischen Städten würde also Raiffeisen-Leasing nicht hart treffen?
Schmidecker: Hamburg ist jetzt die erste Stadt, die Diesel der Kategorie Euro 5 und älter zu gewissen Zeiten auf gewissen Straßen verbieten wird. Die ganze – nicht sehr sachlich geführte –Diskussion ist aus Deutschland her­übergekommen, aber in Österreich hat sich die Regierung ganz klar gegen Fahrverbote ausgesprochen. Abgesehen davon, haben wir in wenigen Monaten nur mehr Euro-6-Dieselfahrzeuge in unserem Bestand. Mit dem neuen Euro-6D-Zyklus bei Diesel- und Bezinfahrzeugen werden die Emissionen weiter reduziert, sodass die Abstrafung kein Thema mehr sein wird. Wir gehen aber generell davon aus, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren ‚milde‘ Hybriden mit 48 Volt Bordspannung verstärkt auf den Markt kommen werden. Grundsätzlich muss bei Plug-in-Hybrid- und Elek­trofahrzeugen, die Ökonomie noch den Kunden entgegen kommen.

Wie würden Sie generell das Marktumfeld für Leasing beschreiben?
Schmidecker: Seit einem guten Jahr merkt man, dass wir uns in einem konjunkturellen Aufschwung befinden und Unternehmen wieder verstärkt in Mobilien und Immobilien investieren. Das Kfz-Leasing ist hingegen ein echter Evergreen und von den konjunkturellen Schwankungen eher losgelöst. Grundsätzlich ist es uns gelungen, im Vorjahr stärker zu wachsen als der Markt.

Welche Vorhaben haben Sie für 2018?
Schmidecker: Wir wollen mit kreativen Ansätzen unsere bestehenden Vertriebskanäle – allen voran den Raiffeisensektor – bestmöglich servicieren und mit unserem digitalen Auftritt auch neue Partner finden. Wir sind offen für neue Ansätze und es tun sich durch die Digitalisierung auch neue Kooperationen und Wertschöpfungsketten für uns auf. Wir investieren viel Hirnschmalz und Vertriebskraft, damit die Digitalisierung kein Selbstzweck bleibt. Der hippe Onlinerechner ist erst dann hipp, wenn er auch Geschäft bringt – ganz nach dem Motto „digital turns to business“. Dabei versuchen wir in Raiffeisen-Manier die Digitalisierung als Teil unseres Geschäftsmodells evolutionär weiterzuentwickeln und nicht revolutionär daneben hinzusetzen. Wichtigstes Ziel ist, dass wir noch effizienter werden und damit weiterhin attraktive Produkte zum Nutzen unserer Kunden anbieten können.

Wohnbau ist seit über 25 Jahren ein Thema. Sind hier neue Projekte in der Pipeline?
Schmidecker: Wir sind laufend auf der Suche nach Grundstücken im Umkreis von Wien und Innsbruck, damit wir die hohe Nachfrage nach Wohnprojekten bedienen können. Zurzeit haben wir Wohnbauprojekte im Wert von etwa 250 Mio. Euro laufen. Auch das Immobilienleasing entwickelt sich stärker in Richtung Zusatzservices. Hier sind wir beispielsweise bei größeren Privat-Public-Partnership-Projekten gemeinsam mit Partnern und neuen Konzepten angetreten. So konnten wir etwa für die Stadt Wien bereits zwei Schulprojekte zum Fixpreis mit einem 25-jährigen Nutzenmodell realisieren.

Können Sie schon einen Ausblick auf das heurige Ergebnis geben?
Schmidecker: Die ersten fünf Monate schauen sehr gut aus. Das Neugeschäft ist sehr erfreulich und alle unsere Vertriebswege funktionieren vielversprechend. Wenn es sich so weiterentwickelt, dann sollten wir in der Lage sein, das gute Ergebnis des Vorjahres auch 2018 zu wiederholen.

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