„Wir wollen Mehrwert schaffen“

„Wir wollen Mehrwert schaffen“

Obmann und Geschäftsleitung der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien haben zum traditionellen Sektortreffen geladen.

Von Edith Unger

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren war beim diesjährigen Sektortreffen der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien mit den Vertretern der wesentlichen Beteiligungsunternehmen wieder ein überwiegend positiver Grundtenor spürbar.
Der Strategieprozess mit den Eigentümern sei abgeschlossen und habe wesentliche Ergebnisse gebracht, die die Raiffeisen-Holding zuversichtlich in die Zukunft blicken lasse, fasste Obmann Erwin Hameseder zusammen und betonte: „Gerade in der jetzigen Zeit ist es wichtig, dass sich die Eigentümer artikulieren, welche Erwartungshaltung sie an ihre Tochter haben.“ Daher habe man unter intensiver Einbindung der Eigentümer strategische Eckpfeiler für die Raiffeisen-Holding eingeschlagen.
Diese sehen weiterhin Beteiligungen an Banken sowie in der agrarischen Verarbeitung vor, ebenso wie im Infrastrukturbereich und Medien. Ebenfalls beschlossen habe man, dass die Raiffeisen-Holding eine Genossenschaft bleiben soll, mit dem Auftrag einer entsprechenden Wertsteigerung für die Eigentümer, aber gleichzeitig dem Förderauftrag als Genossenschaft im Sinne der Mitglieder nachzukommen. Zudem haben die Eigentümer festgehalten, dass die Raiffeisen-Holding auch eine gesellschaftliche Verantwortung trage.

Digitalisierungswelle
Um sich als Genossenschaft in einer digitalisierten Welt entsprechend aufzustellen, hinterfrage die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien derzeit bei ihren Raiffeisenbanken ihr Leistungsangebot und lasse deren Erwartungshaltung in die operativen Maßnahmen einfließen, erläuterte Hameseder.
„Was bieten Raiffeisenbanken in Zeiten der Digitalisierung noch an genossenschaftlichen Vorteilen für die Mitglieder?,“ stellte Generaldirektor Buchleitner als Frage in den Raum. Sei dies nur noch ein schönes Bekenntnis, das in der Realität keine Auswirkung mehr habe oder könne man hier bei Raiffeisen sogar einen Anknüpfungspunkt für eine zukünftige Differenzierung bieten?
Buchleitner ist sich sicher, dass die Digitalisierungswelle auch viele Chancen für Raiffeisen bietet, regional Akzente zu setzen. „Eine Genossenschaft hat gerade hier große Vorteile, das hat sich auch bei der Eigentümerstrategie der Raiffeisen-Holding gezeigt“, zeigte sich der Generaldirektor zuversichtlich. Zudem habe der intensive Diskussionsprozess mit den Eigentümern viel Identifikation mit der Raiffeisen-Holding und deren Beteiligungen geschafft. Dem Projekt ‚Genossenschaft in einer digitalisierten Welt’ müsse man sich stellen – gerade jetzt, wo sich die Welt so radikal ändere. „Genossenschaft darf aber nicht stillstehen und zu einer leeren Worthülle werden“, betonte Buchleitner in diesem Zusammenhang.
Das Halbjahresergebnis der RLB NÖ-Wien unterstreiche die gute Entwicklung der Bank. Die regulatorische Kapitalquote liegt bei beachtlichen 15,4 Prozent. Betrachte man die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien als Holding wie jedes andere Unternehmen auch, läge die Eigenkapitalquote sogar bei 45 Prozent, erläuterte der Generaldirektor.
„Für die RLB haben wir uns zum Ziel gesetzt, in Zeiten der Digitalisierung eine moderne Landesbank zu sein. Das heißt, wir werden uns die nächsten Jahre stark darauf fokussieren, wofür man uns wirklich braucht und wo wir Mehrwert schaffen können“, gab Buchleitner den Weg vor.
Es sei eine enorm wichtige Aufgabe, gemeinsam mit den Raiffeisenbanken Synergien zu heben. Diese seien hoch erfolgreich, brauchen aber die Landesbank als Partner, der ihnen die Bürokratie, Regulatorik und komplexe Abwicklungsprozesse abnimmt – „damit sie auf der Kostenseite ähnlich einer großen Bank aufgestellt sind, aber im Vertrieb so dezentral agieren können, wie das Raiffeisen-Erfolgsmodell eben seit 200 Jahren funktioniert“.

Artificial Intelligence
Den Gastvortrag beim diesjährigen Sektortreffen hielt der renommierte Wiener Kybernetiker und Artificial-Intelligence-Pionier Robert Trappl. Er ging in seiner Key Note der Frage nach, was Artificial Intelligence heute kann bzw. was sie voraussichtlich in 20 Jahren können wird und welche wahrscheinlichen Auswirkungen sie haben wird.
Die Forschung entwickle immer mehr Modelle und Ansätze dafür, wie menschliches Denken und Handeln in die Welt der Computer und der Robotik übertragen werden könne. Bei der Überführung der menschlichen Psyche in die Technik beschäftigte man sich sehr lange lediglich mit der Intelligenz, als Ausdruck von Rationalität und Logik, so Trappl. „Mindestens genauso wichtig ist Emotion. Es gibt keine Intelligenz, die nicht emotional gesteuert wird, und umgekehrt könnte Emotion nicht zu Zielen führen, wenn es keine Intelligenz gäbe. Also Rationalität und Emotionalität sind Partner, die einander bedingen. Wenn ich Roboter haben will, die auch Partner oder Hilfe für Menschen sein sollen, dann kann ich das nicht ohne Emotionen machen“, so der Experte, der davon ausgeht, dass es durch den Ersatz von Menschen durch Roboter mittelfristig zu enormen Umwälzungen kommen werde, auf die wir derzeit nicht vorbereitet seien.