„Wir wollen uns bei der Dividende steigern“

„Wir wollen uns bei der Dividende steigern“

Die Raiffeisen Bank International ist 2017 wieder auf einen steilen Wachstumskurs zurückgekehrt. Die Aktionäre werden nach einer dreijährigen Durststrecke wieder am Gewinn beteiligt.

Von Christian Lovrinovic

Die Raiffeisen Bank International (RBI) schaffte 2017 mit einem Konzerngewinn von 1,116 Mrd. Euro eines der besten Ergebnisse ihrer Geschichte und mehr als eine Verdoppelung zu 2016, als 520 Mio. Euro verdient wurden. „Das Ergebnis ist von wesentlich geringeren Risikokosten und dem Abbau der sogenannten notleidenden Kredite („non performing loans“ – NPL, Anm.) geprägt“, sagte RBI CEO Johann Strobl bei der Bilanzpräsentation. Die NPL-Ratio wurde im Jahresverlauf um 3 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent deutlich reduziert. Die Quote sei ein wesentliches Kriterium für die Aufsicht, für die RBI allerdings sei es wichtig, „dass wir bei der Verwertung von Sicherheiten, bei der Restrukturierung und bei Verkäufen von notleidenden Krediten immer den Wert für das Unternehmen und für die Aktionäre im Auge haben und nicht vorschnell verkaufen, um die Ratio zu verbessern“, betonte Strobl. Das Bankgeschäft sei ein zyklisches Geschäft und bessere Erlöse könne man lukrieren, wenn der Zyklus schon einige Zeit positiv sei.

Johann Strobl (c)APA/Techt (3)

Die Abdeckungsquote für notleidende Kredite liege bei 67 Prozent, sagte Risikovorstand Hannes Mösenbacher. Die Risikokosten seien mit 287 Mio. Euro, ein Rückgang um 62,1 Prozent, auf ein Tief der vergangenen Jahre gesunken. Für heuer wird erwartet, dass die Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte über jenen des Vorjahres liegen werden. Der NPL-Bestand belaufe sich insgesamt auf 4,6 Mrd. Euro. Diesen gelte es weiter zu reduzieren. Einige Märkte wie Tschechien und die Slowakei hätten NPL-Raten von bereits unter 3 Prozent. In einigen Ländern wie der Ukraine und Kroatien müsse man noch an den Quoten arbeiten. Bei der konzernweiten NPL-Ratio (5,7 Prozent) will Mösenbacher weiter runterkommen. Sie soll zwischen 3 und 5 Prozent liegen.
Das starke Geschäftsergebnis wurde auch für die Optimierung der Kapitalstruktur genutzt. Die Kernkapitalquote CET1 lag per Ende 2017 mit 12,7 Prozent fully loaded, also bei voller Anwendung von Basel III, und unter Berücksichtigung der Dividende knapp unter dem mittelfristigen RBI-Ziel von rund 13 Prozent. Verbesserungen gab es auch bei der Finanzierungsstruktur („Funding“) der RBI – vor allem dank des Anstiegs der Kundeneinlagen. Mittlerweile haben diese einen Anteil von 73 Prozent an der Finanzierung. Dadurch sei auch die Loan-Deposit-Ratio auf 90 Prozent gesunken, berichtete Finanzvorstand Martin Grüll. Heuer liege der gesamte Finanzierungsbedarf („Wholesale-Funding“) der RBI bei 4 Mrd. Euro – „einen schönen Teil davon haben wir bereits absorbiert“.
Ein leichtes Plus gab es im operativen Geschäft. Die Betriebserträge legten um 2,3 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro zu. Besonders zufrieden zeigte sich der RBI CEO mit dem Wachstum im Provisionsgeschäft in der Höhe von 7,5 Prozent auf knapp 1,72 Mrd. Euro, während der Zinsüberschuss relativ stabil bei 3,2 Mrd. Euro lag. In der Region werden in einigen Ländern deutlich höhere Zinsspannen erwirtschaftet als in der Eurozone. „Das ist das Gute an unserem Footprint.“ Besonders in Russland und Weißrussland etwa verdiene man gut, weil der Zentralbanksatz deutlich höher sei. Mittelfristig erwartet Strobl in allen CEE-Ländern steigende Zinsen.

Aktie im Aufwind
Der Umbauprozess der RBI wurde auch an der Börse goutiert: Die RBI-Aktie legte im Vorjahr um 74 Prozent im Jahresverlauf zu und war damit der erfolgreichste Titel im ATX und im Branchenindex Euro Stoxx Banks. Auch beim traditionellen RBI-Investorentag in London vergangene Woche, wo sich die RBI vor institutionellen Investoren und Analysten präsentierte, war das Interesse mit über 80 Teilnehmern groß. Die gute Konjunktur in Zentral- und Osteuropa verleiht der Bank weiteren Rückenwind, alle Märkte in der CEE-Region erwirtschaften ein positives Ergebnis und auch das Geschäft in Österreich läuft sehr gut. Die Nettozinsspanne der Bank war im Vorjahr mit knapp 2,5 Prozent stabil. Die insgesamt starke Entwicklung schlug sich auch im Rating der Bank nieder: Die Ratingagentur Moody’s stufte die RBI um zwei Stufen auf „A3“ hoch, S&P um eine auf „BBB+“.

Martin Grüll

„Dieses sehr gute Ergebnis gibt uns wieder die Möglichkeit, eine Dividende zu zahlen. Wir werden der Hauptversammlung 62 Cent per Aktie als Dividendenvorschlag machen“, erklärte Strobl. Insgesamt werden damit 204 Mio. Euro oder 18 Prozent des Konzerngewinns ausgeschüttet. Für die Zukunft strebt die RBI eine Ausschüttungsquote zwischen 20 und 50 Prozent an. „Wir wollen langsam anfangen und uns steigern“, betonte Strobl.
Mit dem Vorjahresergebnis sei man für die kommenden Jahre gut gerüstet. Die Platzierung von sogenanntem zusätzlichem Kernkapital (AT1) im Juli 2017 und Jänner 2018 im Ausmaß von insgesamt 1,15 Mrd. Euro optimierte die Kapitalstruktur der RBI. Damit habe man das geplante Programm für 2018/19 frühzeitig abgeschlossen – und das auch noch „zu sehr günstigen Konditionen“, freut sich Finanzvorstand Martin Grüll und erklärte weiter: „Mit einer Kernkapitalquote von 12,7 Prozent liegen wir deutlich über der Mindestanforderung des Regulators von 9,71 Prozent.“ Die Auswirkungen des neuen internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS 9, der ab dem Geschäftsjahr 2018 gilt, werde „überschaubar gering“ ausfallen, ist CEO Strobl überzeugt: „Eine erste Abschätzung zeigt, dass es 15 Basispunkte auf die Kernkapitalquote ausmachen dürfte.“ Dass man trotz Ausbuchens und Verkaufs von notleidenden Kreditvolumina diese Abgänge kompensieren konnte und insgesamt einen Anstieg des Kreditvolumens von 1,8 Prozent auf 81,23 Mrd. Euro erreicht habe, freute Strobl. Die konservative Rückstellungspolitik der RBI zahle sich aus, Rückstellungen konnten aufgelöst und notleidende Kreditportfolios mit Gewinn verkauft werden. Der konjunkturelle Rückenwind im CEE-Raum führe zu einer deutlichen Kreditnachfrage vor allem in Tschechien, Rumänien, Bulgarien und in der Slowakei. Auch wenn Russland nicht dieses starke Wirtschaftswachstum habe, sei auch dort die Nachfrage weiterhin stark. In Russland erwartet sich Strobl ein Wachstum, das im Konzernschnitt liege.

Mehr Effizienz in Polen
Der Umbau in Polen mache deutliche Fortschritte, so Strobl. Es gehe um Effizienz-Steigerung und Investitionen in digitale Projekte. Bis zum Jahr 2020 sollen für die digitale Transformation 30 Mio. Euro in die Hand genommen werden. Die Cost-Income-Ratio wurde 2017 deutlich auf 59,8 Prozent gedrückt. Die Filialschließungen seien weitestgehend abgeschlossen, die nun geringere Präsenz werde mit einer Verbesserung des digitalen Angebots kompensiert, betonte der CEO. Insgesamt wurden in Polen im Vorjahr 371 Vollzeitäquivalente abgebaut, 62 Filialen geschlossen und 23 Geschäftsstellen in Franchisemodelle umgewandelt. Dennoch gelang es, die Zahl der Retailkunden um 7 Prozent auf 800.000 zu steigern.

Hannes Mösenbacher

„Wir sind zuversichtlich, dass die Bank bis zum Ende des Jahres deutlich effizienter wird“, erklärte Strobl. Ob es zum Verkauf der Raiffeisen Polbank oder zu einem Börsegang kommen wird, stehe noch nicht fest. „Im Mai wissen wir, was das Ergebnis der nächsten intensiveren Wochen sein wird“, so Strobl. Jedenfalls laufen die Vorbereitungen für einen möglichen Börsegang.
„Das Ziel, das wir mit dem Kauf der Polbank verfolgt hatten, die Lücke zu den größten polnischen Banken zu verkleinern, ist uns nicht gelungen. Wir hatten in Polen größere Hoffnungen, als wir dann in der Lage waren, zu realisieren. Ein Verkauf ist weiterhin eine Alternative“, meinte Strobl.
Nicht nur in Polen, sondern auch auf vielen anderen CEE-Märkten findet seit einiger Zeit ein Konsolidierungsprozess statt. „Wir haben mit Portfolienzukäufen in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht. Es ist einfacher, als wenn man eine ganze Bank kauft, in der Komplexität drinnen steckt“, so Strobl. Zuletzt habe man in Tschechien bei einem Portfolio der City Bank zugegriffen. „Das hat auch sehr viele neue Kunden gebracht, und war insgesamt sehr positiv.“ Daher halte man weiterhin Ausschau nach möglichen  Portfoliozukäufen – insbesondere in jenen Ländern mit einem stärker prognostizierten Wachstum.

Russland wächst weiter
Ein wichtiger Markt für die RBI war auch 2017 wieder Russland mit einem Gewinn nach Steuern von 443 Mio. Euro, ein Plus von fast 40 Prozent im Jahresvergleich. „Wir streben Wachstum über alle Geschäftsbereiche hinweg unter Beibehaltung unseres umsichtigen Risikoansatzes an“, so Strobl. Das Kreditumfeld habe sich gebessert, die NPL-Quote verbesserte sich um 2,2 Prozentpunkte auf 4,1 Prozent. Die russische Wirtschaft soll heuer um 1,5 Prozent wachsen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der CEO ein konzernweites Kreditwachstum „im mittleren einstelligen Prozentbereich“. Bei den Risikokosten müsse man sich darauf einstellen, dass sie höher sein könnten. Als mittelfristiges Ziel soll die Cost-Income-Ratio weiter sinken auf unter 55 Prozent. „Das ist das schwierigste Ziel.“ In vielen Ländern entstehe aufgrund der guten Konjunktur Lohndruck. Außerdem seien viele Investitionen gestartet worden, die auch etwas kosten. Beim Konzernreturn on equity strebe die Bank weiterhin 11 Prozent an.