Zahlen über Zahlen

Zahlen über Zahlen

Österreich ist Europameister. Beim Preis-Leistungs-Paket rund ums Konto sind die heimischen Banken ungeschlagen günstig und damit auch unter der EU-Richtlinie PSD2 konkurrenzfähig.

Von Elisabeth Hell

Konsumentenschützer reklamierten in der Vergangenheit immer wieder zu hohe Gebühren für Kontoführung und Transaktionen, damit könnte jetzt Schluss sein: Eine aktuelle Zahlungsverkehrsstudie von Capgemini Consulting belegt, dass Bankkunden in Österreich im europäischen Vergleich viel Geld sparen – konkret 48 Euro. Österreicher zahlten 2016 im Durchschnitt 75 Euro für ihr Kontopaket, das ist im Vergleich zu 2010 um 23 Prozent weniger. Einzelne Preiserhöhungen auf Transaktionsebene wirkten sich auf den Durchschnittskunden kaum aus, betont Studienautor Simon El Dib und erklärt: „Kunden nutzen verstärkt das Onlineangebot der Banken und die Zahl der Pauschalangebote ist seit 2010 auch massiv gestiegen.“ Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer, kommentiert: „Die Pauschalpakete in Österreich sind ein Erfolgsmodell und kommen dem Nutzungsverhalten der Österreicher sehr entgegen.“ Dabei gilt, je höher das Aktivitätslevel, desto stärker profitieren österreichische Bankkunden von Kontomodellen mit Pauschalverrechnung.
Die Studienergebnisse basieren auf Echtdaten von 4,4 Millionen Konten in Österreich, dabei wurden Kontonutzung, Transaktionen und verrechnete Preise untersucht. Kontoauszüge, elektronische sowie beleghafte Inlands- und Auslandsüberweisung, Einzahlungen, Auszahlungen in der Filiale und am fremden Bankomat, Kreditkarte, Kartensperren, Zahlungen am Point of Sale (POS) oder die Erstellung eines Dauerauftrages wurden berücksichtigt. Im Vergleich zur Vorgängerstudie im Jahr 2010 lässt sich eine klare Veränderung im Nutzungsverhalten feststellen. Die Logins ins „elektronische Banking“ sind von 10 auf 87 pro Jahr gestiegen. Die heimischen Bankkunden tätigten im Jahr 2016 25 elektronische Überweisungen, 2010 waren es 15. Die Zahl der Bargeldbehebungen ist im Gegenzug gesunken. Während man 2010 noch 22 Mal bei einem fremden Bankomaten war, waren es 2016 nur mehr 11 Mal. Im Durchschnitt zählt man 2,1 Behebungen am Schalter und 18,5 beim Self-Service.
Im Vergleich mit elf europäischen Ländern fällt El Dib auf: „Der österreichische Kunde ist nach wie vor mehr in der Filiale als der Durchschnittseuropäer.“ Legt man das österreichische Nutzungsverhalten auf andere Länder um, würde man statt der 75 Euro in Italien für die gleiche Leistung 240 Euro zahlen und in Großbritannien sogar 269 Euro. „Mit unserem Preis-Leistungs-Paket sind wir Europameister“, unterstreicht Rudorfer.

Konkurrenzfähig
Seit 13. Jänner 2018 gilt die EU-Richtlinie PSD2, die eine Harmonisierung und Öffnung des Zahlungsverkehrs für Drittanbieter forciert. „Die neue Zahlungsdienstrichtlinie bringt noch mehr Wettbewerb, aber auf dieses Match haben sich heimische Banken gut vorbereitet“, sagt der Branchenvertreter und verweist auf viele neue Services. Zu Jahresende haben Banken mit sogenannten Instant-, also Echtzeit-Überweisungen und dem automatischen Kontowechselservice begonnen. 2017 wurde in Österreich 200 Millionen Mal kontaktlos bezahlt. Die Nfc-Bankomatkarten wurden gut angenommen und das „ohne zusätzliche Entgelte und ohne Schadensfall“, so Rudorfer. Im nächsten Schritt kommen Bankomatkarten auf mobile Endgeräte wie Uhr oder Handy. „Mit PSD2, Instante Payments und Open Banking wird es ganz neue Möglichkeiten und ein neues Kundenerlebnis geben, die entsprechende Mehrwerte für Kunden und Banken bringen können“, prognostiziert El Dib. Für Banken bringe die neue Richtlinie eine Veränderung der Geschäftsmodelle und auch „das Erkennen, dass es Kooperationen mit industriefremden Partnern“ braucht. Für alle Investitionen gebe es aber keine unmittelbare Rendite, erkennt El Dib.
Mittlerweile tätigen über 50 Prozent der Privatkunden ihre Bankgeschäfte nur mehr digital und der Trend wird sich fortsetzen. Bis 2019 wird etwa bei Mobile Payments ein jährliches Wachstum von 21,8 Prozent vorhergesagt. In der EU wird erwartet, dass die Zahlungen mit dem Handy bis 2021 jährlich um rund 62 Prozent zunehmen werden.

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