Raiffeisen in Österreich – Siegeszug einer Idee

Seit mehr als 130 Jahren gibt es Raiffeisengenossenschaften auch in Österreich. Dabei hat sich die ursprüngliche Organisationsform bis in die Gegenwart erhalten. Heute bilden rund 1.450 in den verschiedensten Bereichen tätige und jeweils selbständige Genossenschaften mit über 2 Millionen Miteigentümerinnen und Miteigentümern die Basis der österreichischen Raiffeisengruppe. Dazu kommen eine Reihe von überregional tätigen Verbundunternehmen, die im Eigentum jeweils mehrerer Genossenschaften stehen und gemeinsame Aufgaben wahrnehmen, sowie eine bedeutende Zahl an Beteiligungsunternehmen im In- und Ausland.

Die Genossenschaftsidee selbst entstand im 19. Jahrhundert. Einer ihrer wesentlichen Pioniere war Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888). Er stellte sich der Aufgabe, die große wirtschaftliche Not der ländlichen Bevölkerung zu lindern.

Raiffeisens Idee wurde in Österreich aufgegriffen. 1886 wurde in Mühldorf bei Spitz an der Donau die erste Raiffeisenkasse gegründet. 10 Jahre später war die Zahl der Spar- und Darlehenenskassen nach dem System Raiffeisen bereits auf rund 600 angewachsen.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die Entwicklung von Raiffeisen in Österreich untrennbar mit der Geschichte des Landes verbunden. Diese wiederum wurde vielfach von Genossenschaften mitgeprägt. Beschäftigt man sich heute mit der wirtschaftlichen Entwicklung Österreichs, stößt man daher unweigerlich auf Raiffeisengenossenschaften, etwa als maßgebliche Träger des Wirtschaftsaufschwunges nach den beiden Weltkriegen.

So stehen der Markenname Raiffeisen und das Giebelkreuz als Schutzsymbol für Sicherheit und verlässliche Partnerschaft – einst wie heute.

1818-1886: Ein Neues Zeitalter

In Österreich begann die Industrialisierung zwischen 1800 und 1820. Sie brachte enorme Umwälzungen in der Wirtschaft und im sozialen Gefüge der damaligen k. u. k. Monarchie. Während die Größe des Wirtschaftsraums und der Rohstoffreichtum die Entwicklung förderten, wurde sie durch die geringe Kaufkraft der Bevölkerung, nationalistische Boykotte und die rohstofforientierte Exportwirtschaft gehemmt.

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Harte Zeiten – Bauernbefreiung und Landwirtschaftskrise

Im Revolutionsjahr 1848 erschien das Gesetz über die Grundentlastung. Dadurch wurden die Bauern in Österreich frei von den letzten Verpflichtungen gegenüber ihren Grundherren.
Die befreiten Bauern standen aber nun unter dem Druck der freien Märkte, besonders in den österreichischen Ländern. Hier führten billigere landwirtschaftliche Produkte aus Böhmen und Ungarn und auch internationale Importe zu einem starken Preisverfall. 1870 stürzte der Getreidepreis um 80 Prozent. Auch Grenzsperren und Zölle erschwerten das Wirtschaften.

 

Eine rasch steigende Verschuldung der Bauernwirtschaften begann, die sich bis zur Jahrhundertwende fortsetzte. Pro Jahr wurden zwischen 5.000 und 10.000 Höfe verschuldeter Bauern zwangsversteigert.
Es war für die Bauern damals fast unmöglich, günstige Kredite zur Deckung des laufenden Kapitalbedarfs, etwa für Saatgut und Betriebsmittel, Reparaturen und Ähnliches, zu bekommen. Der Wucher blühte. In Deutschland war die Situation ähnlich.

Friedrich Wilhelm Raiffeisen und seine Idee

Friedrich Wilhelm Raiffeisen war ein deutscher Sozialreformer, dem die Lösung dieses Problems ein wichtiges Anliegen war. Raiffeisen wurde 1818 geboren – übrigens im gleichen Jahr und in der gleichen Gegend wie Karl Marx. Raiffeisen lebte bis 1888. Als Bürgermeister einer Gemeinde im Westerwald wurde Raiffeisen täglich mit der Not der Bauern, Arbeiter und Handwerker konfrontiert.

Nach mehreren wenig erfolgreichen karitativen Ansätzen gewann er die Überzeugung, dass nur Hilfe zur Selbsthilfe die Probleme der Menschen lösen konnte.

Nach einem von Raiffeisen entwickelten Modell bildeten die Menschen Genossenschaften, die nicht auf Gewinn, sondern auf Förderung ihrer Mitglieder ausgerichtet waren. Die Spareinlagen der Mitglieder in den sogenannten Darlehenskassenvereinen konnten in Form von günstigen, langfristigen Darlehen wieder an Mitglieder abgegeben werden. Für viele eröffnete sich damit erstmals die Möglichkeit, Geld für Investitionen oder die Überbrückung von Dürrejahren aufzunehmen.

Ein nächster Schritt war der gemeinsame Einkauf von Betriebsmitteln wie Saatgut und die gemeinsame Lagerung und der gemeinsame Verkauf von Agrarerzeugnissen. Dadurch musste man nicht in Zeiten von Überangeboten zu Schleuderpreisen verkaufen und konnte warten, bis die Preise günstiger waren.

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1886-1918: Anfänge

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Der Impuls, der dann tatsächlich der Idee Raiffeisens in Österreich zum Durchbruch verhelfen sollte, ging von zwei landwirtschaftlichen Veranstaltungen aus: einmal vom dritten Österreichischen Agrartag im März 1885 in Wien und dann vom landwirtschaftlichen Kongress im Oktober in Budapest. Hier war die Raiffeisenidee der Schwerpunkt in den Beratungen zur Schaffung einer Kreditorganisation für den Kleingrundbesitz. Die Tagung schloss mit der Empfehung, Raiffeisenvereine zu gründen. Am 26. November des Jahres 1885 brachte im Niederösterreichischen Landtag Dr. Josef Ritter Mitscha von Märheim den denkwürdigen Antrag ein, die Eignung von Raiffeisenvereinen zur Abwehr des Niederganges der ländlichen Bevölkerung zu überprüfen. Der Landtag akzeptierte und entsandte eine Studienkommission zu Friedrich Wilhelm Raiffeisen ins rheinländische Heddersdorf. In der Untersteiermark, in Roßwein bei Marburg, konstituierte sich am 28. März 1886 der "Darlehenskassen-Verein Roßwein, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung". Somit war die erste Kreditgenossenschaft in der österreichisch-ungarischen Monarchie gegründet. Am 4. Dezember wurde 1886 in Mühldorf bei Spitz an der Donau der erste Darlehenskassen-Verein nach dem Prinzip Raiffeisen auf heutigem Staatsgebiet gegründet. Ihm gehörten Landwirte, Handwerker, Arbeiter und Gewerbetreibende an. Mit Unterstützung durch die Landtage, die von der Idee überzeugt waren, kam es rasch zur Gründung von zahlreichen Raiffeisenkassen.

Am 20. Juni 1898 fand die Registrierung der ersten österreichischen Lagerhaus-Genossenschaft in Pöchlarn statt. Nach deutschem Vorbild wurde ein Zentralverband der Genossenschaften nach dem System Raiffeisen gegründet, der später den Namen „Allgemeiner Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften in Österreich“ erhielt. Dieser „Allgemeine Verband“ war Vorläufer des heutigen Österreichischen Raiffeisenverbandes, der seit 1960 unter diesem Namen firmiert.

Als 1918 die Donaumonarchie zerfiel, gab es auf dem Gebiet der späteren ersten Republik über 2000 Genossenschaften, eine noch viel höhere Zahl existierte in den anderen Nachfolgestaaten.

1918–1938: Neustart

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Es dauerte einige Zeit, bis die in der Republik Österreich verbliebenen Genossenschaften sich neu organisiert und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit überwunden hatten. Bis 1938 wurde die finanzielle Eigenständigkeit erreicht und der Aufbau der Bundesländerzentralen war großteils abgeschlossen. Damit waren im Wesentlichen jene Strukturen geschaffen worden, auf denen nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs aufgebaut werden konnte.

1938–1945: Ende der Selbstbestimmung

Mit dem Anschluss von Österreich an das Dritte Reich endete vorerst die genossenschaftliche Selbstbestimmung. Die Genossenschaften wurden nationalsozialistisch ausgerichtet.
In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges wurden Übernahme- und Lagereinrichtungen schwer beschädigt.

1945–1950: Zweiter Neubeginn

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Nach Kriegsende begann sofort der Wiederaufbau. Viele Österreicher litten an Nahrungsmangel. Den Genossenschaften wurde von der Politik wesentliche Verantwortung für die Sicherung der Ernährung übertragen.

1946 wurde der „Allgemeine Verband“ wieder errichtet, der im Jahr 1898 gegründet worden war. Dieser Verband wurde im Jahr 1960 in „Österreichischer Raiffeisenverband“ umbenannt.

Der Allgemeine Verband beschließt schon im Jahr 1946, wieder eine eigene Zeitung herauszugeben: „Die Genossenschaft“ ist der Vorläufer der heutigen Raiffeisenzeitung. Der erste Vorläufer dieses Mediums war bereits im Jahr 1904 erstmals erschienen und trug den Titel „Österreichische landwirtschaftliche Genossenschaftspresse“.

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1950–1960: Wirtschaftswunder

Als 1955 Österreich durch den Staatsvertrag frei wurde, hatte das Wirtschaftswunder bereits begonnen. Die Raiffeisen-Genossenschaften leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.
Vorerst sind viele Raiffeisenkassen sogenannte Sonntagskassen, das heißt, sie sind nur am Sonntagvormittag nach der Messe geöffnet.
Immer mehr Kassen führen nun den Tagesverkehr ein – ein erster Schritt auf dem Weg zur Universalbank und zum Finanzdienstleister für den gesamten ländlichen Raum.
Die Raiffeisenbanken bauen die Kreditversorgung des gesamten Mittelstandes aus. In West- und Südösterreich wird vor allem der Auf- und Ausbau der Fremdenverkehrswirtschaft vorangetrieben, in den östlichen Bundesländern werden Handwerk und Gewerbe mit dem erforderlichen Kapital versorgt. Die Wirtschaft boomt.

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1950 feierte Schärdinger bereits sein 50-jähriges Bestehen. 

Die Erste Österreichische Zentrale Teebutter Verkaufsgenossenschaft wurde im Jahr 1900 von mehreren Bauern aus der Gegend um Schärding gegründet, um die selbst erzeugte Butter gemeinsam zu sammeln und zu verwerten.

1960–1970: Aufbau

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Die Raiffeisen-Bankengruppe startet 1960 eine Bildungsoffensive, 1961 folgt der Bereich Ware.
1961 nimmt die Raiffeisen Bausparkasse als eines der ersten Spezialinstitute der Raiffeisen-Bankengruppe den Betrieb auf. Die Raiffeisenbanken beginnen, sich um Kunden in den Ballungszentren zu bemühen. In Wien-Oberlaa, damals eine Schnittstelle zwischen Stadt und Land, wird die erste Raiffeisenbank in der Bundeshauptstadt gegründet.
In der Milchwirtschaft wird mit der Schaffung von Marken begonnen. Mittlerweile sind Marken der Molkereien wie Schärdinger, Desserta und NÖM die erfolgreichsten in Österreich.

1970–1980: Neues Image

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Die Raiffeisen-Bankengruppe bemüht sich um ein moderneres Image und begeht als Pionier völlig neue Wege im Sponsoring. Erstmals in Österreich wird mit Rapid Wien ein Fußballklub gesponsert. In den folgenden Jahrzehnten haben die Raiffeisen-Werbestrategen stets den führenden Sportler des Landes unter Vertrag: Niki Lauda, Gerhard Berger, Thomas Muster und Hermann Maier sind die herausragenden Beispiele.

 

Mittlerweile gibt es fast nur noch Raiffeisenbanken mit normalen Öffnungszeiten. Die Institute sind Nahversorger mit Finanzdienstleistungen für die gesamte Bevölkerung, immer mehr auch in den städtischen Ballungszentren. In einer Reihe von Fusionen im Molkereibereich und in der Weinwirtschaft beginnt eine Strukturbereinigung, die sich bis in die Gegenwart fortsetzt.

 

1974 wird die neue Raiffeisenakademie in Wien eröffnet, gleichzeitig wird ein neues Ausbildungskonzept für Geld und Ware erstellt.

1980–1990: Weg nach Europa

Die Raiffeisen-Bankengruppe setzt nicht nur in Werbung und Sponsoring auf modernste Methoden, sondern auch auf neueste Technik. Einer der ersten Bankomaten in Österreich wird 1980 im Raiffeisenhaus Wien installiert.

1984 werden bereits erste Gespräche über die Möglichkeit von Home Banking geführt, als Basis wird das BTX-System der Post in Betracht gezogen.

1985 erschüttert der Weinskandal Österreich. Der Export bricht zusammen. Die Winzergenossenschaften sind zwar nicht involviert, leiden aber unter dem Vertrauensverlust in die gesamte österreichische Weinwirtschaft.
Raiffeisen unterstützt das Konzept der vom damaligen Landwirtschaftsminister und späteren Vizekanzler Josef Riegler entwickelten Ökosozialen Agrarpolitik als Chance für Österreichs Landwirtschaft, gegen die großen Agrarnationen zu bestehen.
Raiffeisen spricht sich für einen EU-Beitritt Österreichs aus und fordert, die notwendigen Anpassungen so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen.

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1988 wird mit der Neustrukturierung der österreichischen Zuckerwirtschaft begonnen. Ziel ist die Europareife dieser Wirtschaftssparte. Ergebnis dieser Bemühungen ist die AGRANA. Dieses Unternehmen wird im Jahr 1989 durch eine gegenseitige Beteiligung mit der deutschen Südzucker für die Zukunft abgesichert und beginnt mit dem Aufbau der Zucker- und Stärkewirtschaft in Zentral- und Osteuropa.
Ab Ende 1988 engagiert sich Raiffeisen verstärkt auf dem Sektor Umweltschutz.

 

1989 reicht Österreich sein Aufnahmeansuchen in die EU ein. Die Molkereien beginnen mit intensiven Bemühungen um eine Strukturreform, um beim EU-Beitritt gegen die Konkurrenz bestehen zu können.

1990–2000: EU-Beitritt

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Die Raiffeisen Zentralbank baut systematisch ihre Präsenz in den Ländern Zentral- und Osteuropas aus. 1990 schafft eine Milchmarktordnungsreform Freiraum für die Entwicklung von Produktinnovationen in der Molkereiwirtschaft.
Die großen heimischen Molkereiverbände gründen die “AMF Austria Milch- und Fleischvermarktung”, um durch Bündelung der Kräfte die Kosten auf EU-Niveau zu bringen. Jahrzehntelang waren Preise und Kosten durch die Milchmarktordnung streng geregelt gewesen.

Ab 1991 treibt das Näherrücken des EU-Beitritts die Verbände der Lagerhausgenossenschaften zu dringend nötigen Strukturreformen an.

1992 löst die Agrarmarkt Austria (AMA) die bisherigen landwirtschaftlichen Fonds ab.
Beim Raiffeisentag 1992 wird eine Zwischenbilanz der Vorbereitungen für einen EU-Beitritt gezogen. Für die Raiffeisen-Bankengruppe seien keine ernsthaften Probleme zu erwarten. Für die Gruppe der Raiffeisen-Lagerhäuser und die genossenschaftliche Molkereiwirtschaft sind beim Beitritt Österreichs zur EU erhebliche Schwierigkeiten zu befürchten.

1993 beginnen die Beitrittsverhandlungen Österreichs zur EU.
Die Warenverbände von Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark gründen gemeinsam die neue Verbundgenossenschaft “Raiffeisen Ware Austria” (RWA).

1994 wird die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter gegründet – eine Interessenvertretung der österreichischen Milchwirtschaft in der EU und in Österreich.

1995 tritt Österreich der Europäischen Union bei.

1996 nimmt der Raiffeisen-Internetprovider Netway seine Arbeit auf – die Geldgruppe nutzt das Medium Internet bereits auf vielfältige Weise.

 

1998 wird mit dem Internet-Banking der Raiffeisen-Bankengruppe begonnen. Im Jahr 1998 feiert der Österreichische Raiffeisenverband sein 100-jähriges Bestehen. Die Feier findet im Juni in der Wiener Hofburg statt. In Symposien des ÖRV zur Vorbereitung des Jubiläums werden die Raiffeisen-Grundwerte Solidarität und Subsidiarität von herausragenden Wissenschaftern und Praktikern aus dem In- und Ausland diskutiert. Ein Symposium befasst sich mit Regionalisierung und den Auswirkungen der Globalisierung auf Österreich und auf die Genossenschaften. Ein Ergebnis: In Verbundorganisationen zusammengeschlossene Genossenschaften sind eine mögliche Antwort auf die Globalisierung.

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2000–2005: Öffnung

In den Jahren 1999 bis 2001 kommt es zu den bisher größten strukturellen Veränderungen in Österreichs Bankenlandschaft. Viele Banken werden privatisiert, die öffentliche Hand zieht sich aus der Haftung zurück. Viele Bankengruppen werden ganz oder teilweise von ausländischen Eigentümern übernommen. Die Raiffeisen-Bankengruppe ist mittlerweile die zweitgrößte Bankengruppe des Landes und die einzige große Bankengruppe in österreichischem Eigentum.

 

2001 erfolgt in Niederösterreich und Wien eine weitgehende Trennung von Bank- und Beteiligungsgeschäft, in dem der bankgeschäftliche Teilbetrieb in eine Aktiengesellschaft (Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG) eingebracht wird. Das Beteiligungsgeschäft von Raiffeisen NÖ-Wien ist seitdem in der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien reg.Gen.m.b.H. gebündelt, deren wichtigste Beteiligung die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien ist. Weiters hält sie u.a. Beteiligungen an AGRANA, LLI mit einem starken Mühlenbereich, STRABAG, einem der größten Bauunternehmen Europas, am KURIER sowie an der NÖM.
Die Raiffeisen-Bankengruppe gilt unter der Federführung der RZB als führende Bankengruppe in vielen Ländern Zentral- und Osteuropas.

 

2002 ersetzt in Österreich der Euro die bis dahin geltende Schilling-Währung. Insbesondere für die Raiffeisen Bankengruppe ist die Währungsumstellung mit enormer organisatorischer Arbeit verbunden. Die gut vorbereitete Umstellung gelingt reibungslos.

 

2003 verabschiedet der EU-Rat das EU-Genossenschaftsstatut. In diesem Statut enthalten ist die Möglichkeit, grenzüberschreitende Genossenschaften zu errichten.
Die EU beschließt eine Verordnung über die Beimischung von Bio-Kraftstoffen zu herkömmlichen Mineralöl-Treibstoffen.

 

Einstieg der LLI Leipnik-Lundenburger Investbeteiligungs AG in den deutschen Mühlenmarkt mit einer Beteiligung an den VK-Mühlen. Dieses Unternehmen mit Sitz in Hamburg ist Marktführer in Deutschland. Die LLI ist ein Tochterunternehmen der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien.

 

2004 findet die Gründung der Raiffeisen International Bank-Holding AG (RIBH) als Tochterunternehmen der Raiffeisen Zentralbank Österreich statt.

2005 erfolgt der überaus erfolgreiche Börsegang der Raiffeisen International Bank-Holding AG. Die Aktienemission bei einem Ausgabekurs von EUR 32,50 ist mehr als 20-fach überzeichnet. Vor allem das Interesse österreichischer Kleinanleger ist enorm. Die Aktie setzt zu einem enormen Höhenflug an und erreicht bis Jahresende 2005 einen Börsenkurs von EUR 55,55.

 

Der Agraraußenhandel Österreichs erreicht erstmals seit EU-Beitritt ein positives Ergebnis. Besonders erfolgreich ist die von Raiffeisen-Genossenschaften dominierte Milchwirtschaft, die Milchprodukte im Wert von 727 Mio. Euro exportiert. Die Importe von Milchprodukten nach Österreich wurden mit 409 Mio. Euro beziffert.
NÖM und die Kärntner Milch bieten als erste Molkereien in Österreich gentechnikfreie Milchprodukte an.

 

Kapitalerhöhung des Zucker- und Stärkekonzerns AGRANA. Die deutsche Südzucker AG erhöht ihren Anteil an der AGRANA auf 37,5 Prozent.

 

Die LLI Leipnik-Lundenburger Investbeteiligungs AG eröffnet in Ungarn die zu diesem Zeitpunkt modernste Mühle Europas.

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2006–2010: Veränderungen

2006 wird das Genossenschaftsrecht in Österreich novelliert und dabei an EU-Recht angepasst.

Die Raiffeisen International Bank-Holding AG erwirbt mit der russischen „Impexbank“ ein starkes Tochterunternehmen.

Die AGRANA steigt in den Fruchtmarkt in Brasilien und China ein und wird damit Weltmarktführer bei Fruchtzubereitungen. In Europa ist die AGRANA Marktführer bei Fruchtsirup.

Die Raiffeisen International Bank-Holding AG (heute Raiffeisen Bank International RBI) übernimmt gemeinsam mit der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien und der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich die e-Banka in Tschechien. Die RLB NÖ erwirbt einen Anteil von 25 %, die RLB OÖ 24 %.

Die in Schieflage geratene BAWAG wird unter maßgeblicher Beteiligung der Raiffeisen Bankengruppe Österreich gerettet.

2007 kündigt die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien an, mit dem Bereich „Erneuerbare Energie“ ein neues strategisches Geschäftsfeld zu eröffnen. Ende des Jahres nimmt die Raiffeisen Klimaschutz-Initivative ihre Arbeit auf.

 

Die Quote für den Beimischungszwang von Biotreibstoff zu Benzin wird in Österreich von 2,5 % auf 4,3 % erhöht.

 

Die Mühlengruppe der LLI - Leipnik-Lundenburger Investbeteiligungs AG erwirbt Mühlenunternehmen in Griechenland, Rumänien und Bulgarien und baut damit ihre Marktführungsposition in Europa aus.

Mit der Novellierung des Bankwesengesetzes BWG treten unter dem Schlagwort „Basel II“ auch verschärfte Eigenkapitalvorschriften in Kraft, die der Baseler Ausschuss erarbeitet hatte.

Der Wiener Börsenindex ATX erreicht am 18. Juni einen Höchstwert von 4.945,34 Punkten. Der Kurs der Raiffeisen-International-Aktie schießt weit über EUR 100,– hinaus.

Die in den letzten Jahren boomende Weltwirtschaft wird durch das Platzen der US-Immobilienblase erschüttert.

Am 15. September 2008 meldet die US-Investmentbank Lehman Brothers Holdings Inc. Insolvenz an und löst damit eine anhaltende weltweite Wirtschaftskrise aus.
Eine der Folgen des Krisenschocks ist eine Flut von Regulierungen, die vor allem Banken treffen.

Die Wirtschaftskrise in Zentral- und Osteuropa (CEE) wirkt sich auch auf die Ergebnisse der Raiffeisen International Bank-Holding AG (heute Raiffeisen Bank International RBI) aus. Eine notwendige Kapitalerhöhung der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG um 165 Mio. Euro bewältigt die Raiffeisen-Bankengruppe aus eigener Kraft.

Die Quote für den Beimischungszwang von Biotreibstoff zu Benzin wird in Österreich von 4,3 % auf 5,75 % erhöht. In Pischelsdorf nimmt ein Werk der AGRANA zur Erzeugung von Bio-Ethanol zur Treibstoffbeimischung den Betrieb auf.

Der Wiener Börsenindex ATX, der im Juni 2007 den Höchststand von 4.945,34 Punkten erreicht hatte, fällt im Jahr 2009 auf den bisher tiefsten Stand in diesem Jahrtausend von 1.481,37 Punkten.

Die Raiffeisen Zentralbank nimmt 1,75 Mrd. Euro staatliches Partizipationskapital in Anspruch, um Wettbewerbsnachteile zu verhindern. Der Staat kassiert dafür eine Verzinsung von acht Prozent. Weitere 750 Mio. Euro werden von den Eigentümern der RZB, das sind vor allem die Raiffeisenlandesbanken, zur Stärkung des Eigenkapitals aufgebracht. Ziel ist es, die RZB und die Raiffeisen International Bankholding AG für die zunehmend schwierige Lage der Weltwirtschaft zu stärken.

Eine Untersuchung des jeweiligen Markenwertes österreichischer Unternehmen ergibt, dass Raiffeisen die stärkste Bankenmarke des Landes ist. Mit einem Markenwert von mehr als drei Milliarden Euro ist Raiffeisen hinter Red Bull und Swarowski die drittstärkste Marke in Österreich.

Die gesamte weiße Milchproduktepalette des Molkereiunternehmens NÖM wird auf gentechnikfreie Produkte umgestellt.

Die wachsende Staatsschuldenkrise setzt die Weltwirtschaft auch im Jahr 2010 weiter unter Druck.

Um die zunehmend schwierigen Marktbedingungen besser zu meistern, beschließen die Hauptversammlungen von RZB Raiffeisen Zentralbank Österreich AG und Raiffeisen-International Bank-Holding AG die Fusion. Für die RZB ist das der größte Umbau in der Geschichte der 1927 gegründeten Bank. Die Raiffeisen International Bank-Holding AG firmiert künftig als Raiffeisen Bank International (RBI).

Die Raiffeisen Bankengruppe wird in einer Umfrage unter jungen Österreichern als „coolste Bank“ des Landes ermittelt.

2010-2015: 125 Jahre

In Mühldorf bei Spitz an der Donau, wo 1886 die erste Raiffeisenkasse Österreichs gegründet worden war, wird in Anwesenheit von führenden Raiffeisen-Vertretern aus allen Bundesländern das 125-jährige Bestehen von Raiffeisen in Österreich gefeiert.

Christian Konrad, seit 1994 Generalanwalt des Österreichischen Raiffeisenverbandes, legt 2012 altersbedingt sein Mandat zurück. Zu seinem Nachfolger wählt die Generalversammlung den Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank Österreich AG, Walter Rothensteiner.

2012 wird das von der UNO proklamierte Internationale Jahr der Genossenschaften mit Festveranstaltungen, Publikationen und einem internationalen Genossenschaftskongress in Wien gefeiert. Das Motto lautet: „Genossenschaften schaffen eine bessere Welt“. Ziel der weltweiten Veranstaltungen ist es, die Stärken des genossenschaftlichen Geschäftsmodells einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Die Österreichischen Raiffeisen Revisionsverbände rufen gemeinsam mit dem ÖRV die Plattform www.kooperieren.at ins Leben. Ziel ist die Bereitstellung niederschwelliger Informationsmaterialien für alle an einer Genossenschaftsgründung Interessierten.

Die Ybbstaler Fruit Austria GmbH, ein Tochterunternehmen der Raiffeisen Ware Austria, und die AGRANA Juice Holding GmbH werden zur AUSTRIA JUICE verschmolzen und damit zu einem der Marktführer in diesem Geschäftsfeld.
Das Unternehmen verfügt über 13 Standorte in Europa und Asien.

Der Österreichische Raiffeisenverband hat seit 2012 im 18. und 19. Stock des neuerbauten Raiffeisenhauses in Wien seinen Sitz.

Das neue Raffeisenhaus ist das erste nach strengen Umwelt-Kriterien zertifizierte Passiv-Bürohochhaus der Welt.

Im Jahr 2013 nimmt der neue Raiffeisen Campus zur weiteren Verbesserung der österreichweiten Bildungsarbeit für Mitarbeiter, Führungskräfte und ehrenamtliche Funktionäre die Arbeit auf. Der Raiffeisen Campus tritt damit die Nachfolge der 1974 gegründeten Raiffeisen Akademie an und ist eine Teilorganisation des Österreichischen Raiffeisenverbandes.

Die UNIQA-Versicherung führt eine erfolgreiche Kapitalerhöhung durch.

Herbert Stepic, treibende Kraft des Aufbaus der Raiffeisen-Gruppe in Zentral- und Osteuropa, zieht sich aus dem Vorstand zurück. Zu seinem Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Karl Sevelda bestellt.

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Die RZB zahlt im Juni 2014 das mit jährlich acht Prozent verzinste staatliche Partizipationskapital von 1,75 Mrd. Euro an die Republik Österreich zurück.

Nach 16-jähriger Pause findet 2014 wieder ein Österreichischer Raiffeisentag statt – diesmal in Graz. Das Motto: „Bewusst: Raiffeisen.“ Unter derselben Überschrift startet Generalanwalt Walter Rothensteiner eine auf mehrere Jahre angelegte Initiative und betont: „Die Idee der Genossenschaft ist modern wie selten zuvor. Die Werte von Raiffeisen sind aktuell wie am ersten Tag. Reden wir darüber, was uns verbindet. Zeigen wir, was uns von anderen unterscheidet!“

Ebenfalls in Graz wird der Funktionärinnen-Beirat als österreichweites Gremium gegründet und mit hochkarätigen Funktionärinnen aus allen Bundesländern besetzt. Primäres Ziel ist die stärkere Vertretung von Frauen in den ehrenamtlichen Gremien des Raiffeisensektors.

Andreas Pangl, bisher Geschäftsführer des Fachverbandes der Raiffeisenbanken, übernimmt am 1. Oktober 2014 die Funktion des Generalsekretärs des Österreichischen Raiffeisenverbandes von Ferdinand „Ferry“ Maier. Gleichzeitig wird im ÖRV die Stabsstelle für Genossenschaft, Strategien und Perspektiven eingerichtet.

Unter der Leitung von Generaldirektor Karl Sevelda unterzieht sich die Raiffeisenbank International ab 2015 einem umfangreichen Transformationsprogramm.

2015 erscheint zum ersten Mal ein Wertschöpfungsbericht der Raiffeisen Bankengruppe Österreich. Dabei handelt es sich um den ersten derartigen Bericht einer Bankengruppe im deutschsprachigen Raum.

2016-2017: Bewusst.Raiffeisen.

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Die Initiative „Bewusst: Raiffeisen.“ wird mit weiteren Image-Sujets, neuen Umfragen, Service-Paketen, Kurzfilmen sowie Ausbildungsmodulen für Mitarbeiter und Funktionäre immer weiter ausgebaut.

 

Der Österreichische Raiffeisentag – diesmal in Linz – steht unter dem Motto „Bewegung in bewegten Zeiten“.

 

Am 18. März 2017 wird die Fusion der Raiffeisen Zentralbank Österreich (RZB) mit der Raiffeisen Bank International (RBI) offiziell im Firmenbuch eingetragen. Das neue Institut heißt weiterhin RBI. Johann Strobl löst Karl Sevelda als CEO ab, der sich in den Ruhestand übertritt.

 

Die Raiffeisen Ware Austria (RWA) beschließt die Standortverlegung ihres Hauptsitzes vom Wienerberg im 10. Wiener Gemeindebezirk ins niederösterreichische Korneuburg. Die neue Unternehmenszentrale soll 2020 in Betrieb gehen.

2018: Raiffeisen200

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Das Jubiläumsjahr zum 200. Geburtstag von Friedrich Wilhelm Raiffeisen – geboren am 30. März 1818 in Hamm (Sieg), gestorben am 11. März 1888 in Heddesdorf (heute Neuwied) – wird mit einem umfangreichen Programm gefeiert. Bewusst setzt der ÖRV dabei auf ein dezentrales Konzept und liefert seinen Mitgliedern Vorlagen und Anregungen für verschiedenste Veranstaltungsformate unter dem gemeinsamen Motto „Raiffeisen200 – Die Kraft der Idee.“ Auf dieser Basis setzen die Sparten, Bundesländer und Genossenschaften vor Ort ganz unterschiedliche Aktivitäten um, rufen ihren Mitarbeitern und Kunden jeweils die Raiffeisen Ur-Idee in Erinnerung, betonen aber vor allem das große Zukunftspotenzial der genossenschaftlichen Wirtschaftsform.

 

Gemeinsamer Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist der Österreichische Raiffeisentag im Juni, der diesmal parallel zum Lagerhaus-Feldtag am weitläufigen Areal von Schloss Grafenegg in Niederösterreich stattfindet. Dabei geben auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz der Raiffeisen-Familie die Ehre.

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Im Jänner 2018 übersiedelt der Raiffeisen Campus – nach 44 Jahren an seiner Adresse Steingasse 11–13 im 3. Bezirk – an seinen neuen und modernen Standort Trabrennstraße 2A im 2. Wiener Gemeindebezirk, in unmittelbarer Nachbarschaft zur neu errichteten Wirtschaftsuniversität Wien.

 

Die Raiffeisen-Landesbanken und die Raiffeisen Bank International gründen gemeinsam die Raiffeisen Kooperations eGen mit Hauptaufgabe Koordinierung gemeinsamer strategischer Themen innerhalb der Raiffeisen Bankengruppe Österreich. Zum Sprecher der neuen Genossenschaft wird Generaldirektor Heinrich Schaller (Raiffeisen Landesbank Oberösterreich) gewählt.

 

Der Fachverband der Raiffeisenbanken startet seine Initiative „Regional: Stark“, um die Bedeutung von genossenschaftlichen Regionalbanken für den lokalen Wirtschafts- und Lebenskreislauf einer breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen.

 

Erstmals wird ein „Ökonomischer Fußabdruck der Raiffeisen Bankengruppe Österreich“ publiziert.

2019 bis heute: Gegenwart

Die Themen Digitalisierung und eine gemeinsame IT beschäftigen den Raiffeisen Sektor.

Die Novelle des Genossenschaftsspaltungsgesetzes ermöglicht nun die Übertragung von Vermögensteilen von Genossenschaften auf andere Rechtsträger via Spaltung.

Der Fachverband der Raiffeisenbanken wirkt bei der Ausgestaltung der Richtlinien zu Basel IV mit.

Die ÖRV Revisionsabteilung startet ein Projekt zur Nutzung Künstlicher Intelligenz im Prüfbetrieb.

Die UNIQA-Versicherung übernimmt die AXA-Töchter in Polen, Tschechien und der Slowakei und erweitert dadurch ihren bisher 10 Millionen Menschen umfassenden Kundenstock um weitere 5 Millionen.

Aus den Initiativen des Jubiläumsjahres 2018 gehen Strategieprojekte in mehreren Bundesländern hervor – u.a. zu den Themen Vorteile aus der Mitgliedschaft, genossenschaftlichen Primärbanken als künftige Netzwerkknoten ihrer Region sowie Gründung neuer Genossenschaften. Parallel dazu startet der ÖRV seine Initiative „20+“ und erstellt verschiedene Service-Pakete für seine Mitglieder. Dabei im Fokus: Die Gewinnung junger Funktionärinnen und Funktionäre für unsere Genossenschaften. Das Motto: „Wer die Jugend gewinnt, dem gehört die Zukunft. Und umgekehrt.“

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Am 15.3.2020 wird im BGBl. I Nr. 12/2020 das COVID-19 Gesetz mit vorläufigen Maßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 erlassen.